Ärzte Zeitung online, 12.06.2018

Patientenberatung

Rat zum Krankengeld heiß begehrt

Die Unabhängige Patientenberatung verzeichnet im Vorjahr deutlich mehr Beratungen als 2016. Dabei offenbart sich: Der Verlust an Krankengeld bedrängt weiterhin viele Patienten.

Von Angela Mißlbeck

Fallstricke beim Krankengeld ungelöst

Sind seit April in Deutschland unterwegs: Eines von drei Patientenberatungsmobilen der Unabhängigen Patientenberatung.

© DAVID_AUSSERHOFER

BERLIN. Probleme mit dem Krankengeld führten im vergangenen Jahr zu 14.334 Beratungen bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Das waren 40 Prozent mehr als 2016. Damit bleibt das Krankengeld das Hauptproblem der Ratsuchenden.

Nach wie vor ungelöst ist laut UPD das Problem existenzbedrohender Konsequenzen durch den Verlust des Anspruchs auf Krankengeld aufgrund formaler Lücken in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

"Betroffene berichten immer wieder, dass Ärzten das Problem nicht bekannt ist", sagte UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede bei der Vorstellung des Monitors Patientenberatung 2017 am Dienstag in Berlin.

Er sprach von "dramatischen Folgen für die Versicherten". Die Zahl der Ratsuchenden zu diesem speziellen Problem beim Krankengeld ist nach seinen Angaben von 893 im Jahr 2016 auf 1490 im vergangenen Jahr gestiegen.

Ingesamt 155.000 Beratungen in 2017

Doch auch insgesamt verzeichnet die UPD eine deutliche Zunahme der Beratungen. Rund 155.000 Mal hat sie im vergangenen Jahr Patienten und Versicherte beraten. 2016 gab es 94.000 Beratungen.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Dr. Ralf Brauksiepe bewertet diese Entwicklung positiv. "Sie ist ein Zeichen dafür, dass die Möglichkeit Patientenberatung in Anspruch zu nehmen von Jahr zu Jahr bekannter wird", so Brauksiepe.

Er wies darauf hin, dass das Beratungsangebot kontinuierlich verbessert worden sei. Unter anderem stieg die Zahl der Beratungseinrichtungen von 21 im Jahr 2016 auf 30 im vergangenen Jahr. Zusätzlich sind drei Beratungsmobile unterwegs.

Etwa zwei Drittel der Beratungen kreisten um gesundheitsrechtliche Fragen. "Es zeigt sich, dass die Versicherten immer wieder Probleme bei der Durchsetzung ihrer Leistungen haben", sagte UPD-Chef Krumwiede.

Die Ratsuchenden klagten vor allem über mangelnde Information und Transparenz seitens der Krankenkassen. Krumwiede kritisierte "verharmlosende Schreiben mit fehlender Aufklärung" und verwies darauf, dass auch das Bundesversicherungsamt diese Praxis von Kassen gerügt habe.

"Vielen Patienten fehlt ein unterstüztendes Gespräch"

Großen Beratungsbedarf verzeichnete die UPD bei einem Verdacht auf Behandlungsfehler. Allerdings äußern die Ratsuchenden laut Krumwiede hier vor allem Kritik an mangelnder Kommunikation.

"Vielen Patienten fehlt ein unterstützendes Gespräch", so Krumwiede. Eine konstruktive und offene Kommunikation sei an dieser Stelle zentral.

Im Bereich der medizinischen Beratungen nahm die Verordnungsfähigkeit von Cannabis viel Raum ein. 3700 Beratungen fanden zu diesem Thema statt. "Die Berater registrierten vielfach überzogene Erwartungen bei Patienten aber auch Unkenntnis bei Ärzten", sagte der UPD-Geschäftsführer.

Der Patientenbeauftragte sucht auf Basis dieser Ergebnisse nun den Dialog mit Krankenkassen und Ärzteschaft. Gesetzlichen Handlungsbedarf sieht er zunächst nicht. "Im Gesetz ist vieles gut, was in der Praxis nicht gut ist", sagte Brauksiepe.

Konkrete Lösungsvorschläge erwartet er im Herbst. Lediglich schriftlich kündigte er an, dass er das Thema der Beweiserleichterung für Betroffene bei Behandlungsfehlern angehen wolle.

Diese Ankündigung begrüßte die Gesundheitsexpertin der Grünen Maria Klein-Schmeink. Die Patientenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Martina Stamm-Fiebich, bekräftigte ihre Forderung nach einem Gesundheits-Portal, das Informationen für Patienten leicht verständlich und zentral bündelt.

"Ziel muss sein, Patienten die Kommunikation insbesondere mit Ärzten und Kassen auf Augenhöhe zu ermöglichen", sagte sie.

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