Ärzte Zeitung, 13.06.2018

Vielversprechender Ansatz

Hausbesuche zur Prävention

Können Senioren von präventiven Hausbesuchen profitieren? Dieser Frage gingen drei Kommunen nach, die am Modellprojekt "PräSenZ" teilgenommen haben. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Von Anke Thomas

Hausbesuche zur Prävention – Ansatz klingt vielversprechend

Die ehrenamtlichen Berater besuchen Senioren zu Hause.

© M.Dörr & M.Frommherz - stock.ad

STUTTGART. Inwieweit hilft es älteren Menschen, wenn sie in ihrem Zuhause von geschulten Beratern mit pflegerischen/sozialen Kompetenzen besucht werden? Das baden-württembergische Landesmodellprojekt "PräSenZ – Prävention für Senioren Zuhause" ging dieser Frage nach.

Drei unterschiedlich große Kommunen – die Gemeinde Neuweiler im Landkreis Calw, die Stadt Rheinfelden direkt an der Grenze zur Schweiz sowie die Stadt Ulm – nahmen am Projekt von 2014 bis Ende 2017 teil, die unterschiedliche Konzepte erprobten.

Jetzt wurden die Ergebnisse des Modellprojekts in Stuttgart vorgestellt. Demnach wurden insgesamt mehr als 1700 Beratungen bei rund 700 Senioren durchgeführt und ausgewertet.

Projektträgerschaft und wissenschaftliche Leitung von PräSenZ fielen dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) zu.

Das Modellprojekt wurde finanziell durch das Ministerium für Soziales und Integration, das die Quartiersstrategie verfolgt, sowie aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg und aus Mitteln der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung sowie der kommunalen Landesverbände gefördert.

Bestehende Angebote integrieren

"Das Aufgabenspektrum rund um präventive Hausbesuche ist multidimensional und hängt auch davon ab, welche Angebote in Kommunen schon existieren und welche noch nicht", erläuterte Anne Gebert, Projektleiterin und DIP-Mitarbeiterin bei der Projektvorstellung.

So fänden neben Informations- und Vermittlungsarbeit bei den Hausbesuchen auch umfassende fachliche Beratungen und bis zu einem gewissen Grad auch praktische Alltagsbegleitungen statt.

In seltenen Fällen käme es auch zu längerfristigen und intensiveren Begleitungen, etwa dann, wenn keine geeigneten Stellen vor Ort existierten, die diese Aufgabe übernehmen könnten. Ein Hausbesuch dauert im Schnitt, so Gebert, zwischen einer und zwei Stunden.

Die Mehrzahl der Senioren benötige einen Hausbesuch, andere zwei bis drei. Das Themenspektrum reiche von Prävention und Vorsorge über Pflegebedürftigkeit und Teilhabe bis hin zu Kontaktaufnahmen mit Ämtern und Versicherungen.

Berater sind auch Brückenbauer

"Die Beraterinnen leisten eine enorm wichtige Arbeit. Sie fungieren als Ansprechpartner der Kommune für die Senioren und bauen zugleich Brücken für die älteren Menschen in ganz verschiedene Bereiche hinein", ergänzte Gebert.

Professor Frank Weidner, Leiter des DIP, zeigte sich mit dem Projektverlauf zufrieden: "Zu Anfang gab es auch Skepsis. Aber wir konnten mit PräSenZ zeigen, dass sich eine gezielte und gut vernetzte präventive und aufsuchende Arbeit mit und für Senioren in der Verantwortung von Kommunen für alle Beteiligten lohnt."

So belegten die Projektergebnisse, dass Senioren sehr gut erreicht werden könnten und die Selbstständigkeit im Alter gezielt gestärkt werde. Auch hätten ehrenamtlich engagierte Menschen gewonnen und einbezogen werden können. In einer Modellkommune entstand aus dem Projekt heraus eine bürgerschaftlich getragene Tagespflegeeinrichtung, so Weidner.

In den Modellkommunen sei man sich einig, dass neben den Senioren die Kommunen die großen Gewinner von PräSenZ seien. Das Leben im Alter zu Hause werde gestärkt und zugleich würden die Kommunen an Image gewinnen.

"Präventive Hausbesuche stellen eine sinnvolle und effektive Ergänzung zu bestehenden Angeboten wie etwa Pflegeberatung und Pflegestützpunkten dar und können dazu beitragen, Nachfragen und Angebote vor Ort viel besser aufeinander abzustimmen", resümierte Weidner.

Den Abschlussbericht zu PräSenZ sowie eine Handreichung für Kommunen zur Umsetzung bietet das DIP zum kostenlosen Download an: www.dip.de/materialien.

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