Ärzte Zeitung online, 15.09.2017
 

Ärztemangel

Westfalen-Lippe kämpft gegen Unterversorgung

In 23 Kommunen, darunter auch mittelgroße Städte, sucht die KV Westfalen-Lippe Nachfolger für frei werdende Hausarztsitze. An Fördermitteln, zu denen auch die Kassen beisteuern, fehlt es nicht.

Von Ilse Schlingensiepen

Westfalen-Lippe kämpft gegen Unterversorgung

Von der KV Westfalen-Lippe für viele Kommunen dringend gesucht: Praxisnachfolger.

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DORTMUND. In der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) gibt es immer mehr Regionen, denen ein Abrutschen in die Unterversorgung droht. Es sind längst nicht mehr nur kleine Orte, in denen sich nur mit großen Anstrengungen Praxisnachfolger finden lassen. Das berichtete der stellvertretende KVWL-Vorsitzende Dr. Gerhard Nordmann auf der jüngsten Vertreterversammlung in Dortmund.

Die KVWL hat 2013 einen Fonds eingerichtet, um durch gezielte Fördermaßnahmen Probleme bei der Sicherstellung zu lösen. Auf Basis von Versorgungsdaten und der Altersstruktur in den Fachgruppen ermittelt die KV die vom Ärztemangel besonders betroffenen Kommunen und listet sie in einem Förderverzeichnis auf.

Keine Entspannung in Sicht

Bei der erstmaligen Veröffentlichung im Juni 2014 enthielt es lediglich eine Gemeinde, und zwar Bödefeld. Für sie sei eine Lösung gefunden worden, sagte Nordmann. "Dafür umfasst das Förderverzeichnis aktuell 23 andere Kommunen, für die wir ausschließlich Hausärztinnen und -ärzte als Nachfolger ausscheidender Kollegen suchen."

Er sieht es als "bedenkliches Signal", dass das Verzeichnis nicht nur kleine, eher unbekannte Gemeinden enthalte. "Seit neuestem stehen auch mittelgroße Städte wie Gütersloh, Rheine und Menden auf der Liste." Auch wenn die KVWL immer Lösungen finden und Gemeinden aus dem Verzeichnis streichen könne, werde die Liste der gefährdeten Kommunen sicher weiter zunehmen, prognostizierte er.

Aus dem seit 2015 bestehenden Strukturfonds, in den die KVWL und die Krankenkassen je zur Hälfte einzahlen, hat die KV bislang 20 Fördermaßnahmen bewilligt. "In der Regel handelte es sich um Darlehen oder Umsatzgarantien für Praxisübernahmen oder Neugründungen."

Viermal ist die Anstellung neuer Kollegen in bestehenden Praxen unterstützt worden. Auch die Einrichtung einer Zweigpraxis und der Betrieb von zwei Vollzeitfilialen sind gefördert worden.

Die finanzielle Förderung habe einen Anteil daran gehabt, dass die KVWL drohende Lücken in der Versorgung abwenden konnte, sagte Nordmann. Hinzu komme aber viel organisatorische Arbeit aus dem KVWL-Geschäftsbereich Sicherstellung: "Dahinter steckt die Überzeugungsarbeit gegenüber jungen Ärzten, in die Niederlassung zu gehen, und gegenüber etablierten Kollegen, sich zu engagieren und neue Modelle mitzutragen."

Fördermittel unabdingbar

Es fehle der KVWL an dieser Stelle nicht an Geld, betonte der KV-Vize. Der Strukturfonds sei für 2017 mit zwei Millionen Euro ausgestattet. "Sehr zu meinem Bedauern werden wir aber gar nicht alles ausgeben, sondern einen guten Teil dieser Summe auf das nächste Jahr übertragen müssen."

 Bislang habe der Vorstand für 2017 erst drei Maßnahmen bewilligt. "Uns fehlt es an jungen Hausärztinnen und -ärzten, nicht an Fördergeld." Dennoch brauche die KVWL die Fördermaßnahmen als ein Element im Werkzeugkasten der Nachwuchsgewinnung.

"Mit relativ geringem finanziellen Einsatz lassen sich Dinge möglich machen, bei denen wir mit reiner Überzeugungsarbeit gescheitert wären", sagte Nordmann.

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