Ärzte Zeitung online, 29.12.2008
 

Gesundheitsministerium: Krankenstand nimmt tendenziell wieder zu

BERLIN (dpa). Die Beschäftigten in Deutschland sind wieder häufiger krank. Durchschnittlich 7,5 Arbeitstage blieb jeder Arbeitnehmer im zu Ende gehenden Jahr seiner Arbeitsstelle fern. Der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, bestätigte einen Medienbericht. Es handele sich aber noch nicht um endgültige Ergebnisse, sondern um aufs Jahresende hochgerechnete Zahlen. "Die Tendenz ist aber richtig."

Gesundheitsministerium: Krankenstand nimmt tendenziell wieder zu

Foto: Udo Kroener©www.fotolia.de

Krankheitsbedingt fiel danach im Jahresdurchschnitt 3,4 Prozent der vereinbarten Arbeitszeit aus - ein Anstieg um sechs Prozent im Vergleich zu 2007. Damals lag die Fehlzeitenquote bei 3,2 Prozent.

Als einen Grund für den steigenden Krankenstand vermutet Vater die Grippewelle im Februar 2008. Damals wurde mit 4,41 Prozent der höchste Krankenstand verzeichnet, im Januar fehlten die Arbeitnehmer hingegen am wenigsten (2,41 Prozent). Frauen waren dem Bericht zufolge mit 3,5 Prozent der regulären Arbeitszeit etwas häufiger krank als Männer (3,3 Prozent). Die meisten Fehlzeiten gab es dem Bericht zufolge zu Wochenbeginn.

Als häufigste Gründe für das Fernbleiben von der Arbeit wurden Muskel- und Skeletterkrankungen, Atemwegsprobleme, Verletzungen und psychische Krankheiten registriert. Der Anteil der psychischen Erkrankungen habe sich seit 1990 verdoppelt.

Nach Angaben von Vater liegen die Fehlzeiten in Deutschland unter jenen anderer Länder. Im Jahr 2006 hatte der Krankenstand einen Rekord-Tiefstand erreicht. Seither nimmt er wieder leicht zu. In der Statistik des Ministeriums sind alle gemeldeten Fehlzeiten enthalten, auch jene, bei denen Beschäftigte in den ersten Tagen ihres Fernbleibens noch keine ärztliche Krankschreibung vorlegen müssen. In den - abweichenden - Statistiken der Krankenkassen werden dagegen die Fehltage nach Krankschreibungen erfasst. Dies führt zu höheren Zahlen bei den Krankheitstagen.

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