Ärzte Zeitung online, 29.12.2008

Merckle lässt Verkaufsvorbereitungen für ratiopharm dementieren

ULM (dpa). Die Zukunft des angeschlagenen Merckle-Firmenimperiums ist nach einer Vereinbarung des Unternehmers Adolf Merckle mit mehr als 30 Gläubigerbanken besiegelt. Aber Einzelheiten will die Familie Merckle, deren Unternehmen im Zuge der Finanzkrise ins Wanken geraten waren, erst Anfang 2009 bekannt geben. Unterdessen dementierte ein Sprecher des Ulmer Generikaherstellers ratiopharm am Sonntag einen Bericht, nach dem im Unternehmen bereits dessen Verkauf vorbereitet wird.

Darüber könne nur der Gesellschafter, die Vermögensverwaltung VEM, entscheiden. Ob es dort einen entsprechenden Beschluss gibt, ließ eine Sprecherin der VEM offen und verwies auf den Termin im kommenden Jahr. Die Ulmer "Südwest Presse" hatte unter Berufung auf informierte Kreise über den möglichen Verkauf berichtet.

Damit würde das Familienunternehmen nach mehr als 125 Jahren in fremde Hände übergehen. Anteile der beiden anderen zum Firmenimperium des Milliardärs Adolf Merckle gehörenden Unternehmen, HeidelbergCement und der Pharmagroßhändler Phoenix, könnten nach Informationen der Zeitung einem Treuhänder übergeben werden.

Bei der Vereinbarung zwischen Merckle und den Banken geht es vermutlich um einen Überbrückungskredit bis Ende März, dem ein langfristiger höherer Kredit folgen könnte. Der 74-Jährige muss als Gegenleistung voraussichtlich die Kontrolle über wichtige Teile seines Unternehmensgeflechts abgeben. Mit der Vereinbarung ist eine Insolvenz der Vermögensverwaltung VEM zunächst vom Tisch.

Der Betriebsratsvorsitzende von ratiopharm, Odo Maxein, hält den Verkauf des Generikaherstellers inzwischen für wahrscheinlich und "wohl nicht mehr zu vermeiden", schreibt die "Südwest Presse" weiter. Mit einem Gesamtumsatz von 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2007 ist ratiopharm eines der größten internationalen Generikaunternehmen.

In Finanzkreisen wird der Finanzierungsbedarf Merckles auf bis zu eine Milliarde Euro geschätzt. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf der VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten. Hintergrund der Krise bei VEM sind Kapitalerhöhungen vor allem bei HeidelbergCement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden.

Als Sicherheiten für diese Kredite wurden Aktien hinterlegt. Durch die Finanzkrise ist deren Wert abgestürzt. Außerdem hatte sich der Milliardär bei Wetten mit VW-Aktien verspekuliert und einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag verloren (wir berichteten).

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