Ärzte Zeitung online, 06.02.2009

Zu viel Gift in Spielwaren - Kritik von Verbänden und Umweltschützern

NÜRNBERG (dpa). Umweltschützer und Menschenrechtler haben auf der Nürnberger Spielwarenmesse am Freitag die Zustände in der weltweiten Spielwarenindustrie angeprangert. Viele Spielwaren enthielten noch immer zu hohe Konzentrationen giftiger Stoffe, sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.

Dadurch werde die Gesundheit der Kinder gefährdet. Kirchliche Verbände forderten bessere Arbeitsbedingungen in den chinesischen Spielzeugfabriken. "Am Spielzeug für unsere Kinder darf kein Blut kleben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer.

Die neue EU-Richtlinie zur Spielzeugsicherheit gehe nicht weit genug, erklärte der BUND-Chemieexperte Heribert Wefers. So seien einige Grenzwerte, zum Beispiel für Blei, zu hoch angesetzt. Manche Kinderspielzeuge, etwa Puppen, aufblasbare Tiere oder Schwimmhilfen, enthielten zudem hohe Konzentrationen von Weichmachern. Diese könnten das Hormonsystem von Kindern gefährden.

Der BUND-Vorsitzende Weiger forderte, die Hersteller dazu zu verpflichten, die Einhaltung der gesetzlichen Standards durch unabhängige Prüfinstitute nachzuweisen. Außerdem müsse der Spielzeugimport in die Europäische Union schärfer kontrolliert werden. Weiger appellierte an die Verbraucher, lieber weniger und dafür höherwertige Spielwaren zu kaufen. Sehr billiges Spielzeug enthalte oft gefährliche Stoffe.

Die von kirchlichen Organisationen getragene Aktion "fair spielt" kritisierte unterdessen die Arbeitsbedingungen in Chinas Spielzeugfabriken. Sie seien geprägt von überlangen Arbeitszeiten, geringer Entlohnung und mangelndem Arbeits- und Gesundheitsschutz, erklärte die Grünen-Politikerin und frühere Gesundheits-Staatssekretärin Christa Nickels.

Der Weltverband der Spielwarenindustrie ICTI hat Mindeststandards bei der Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten definiert. Doch mehr als 30 deutsche Unternehmen hätten noch nicht nachgewiesen, dass ihre Lieferanten diesen Kodex erfüllen, erklärte "fair spielt". Der Deutsche Spielwarenverband fordert von diesen "Nachzüglern", bis zur Jahresmitte 2009 eine entsprechende Selbstverpflichtung einzugehen.

Zugleich zeichnete "fair spielt" den oberfränkischen Plüschtierhersteller Heunec für seine vorbildlichen Bemühungen um menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Chinas Spielzeugfabriken mit dem "Nürnberger Sprachrohr" aus. Heunec stehe damit stellvertretend für 35 deutsche Hersteller.

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