Ärzte Zeitung online, 09.02.2009

Merckle-Gruppe sucht Treuhänder

HEIDELBERG (dpa). Noch immer herrscht Unklarheit über die Zukunft des weit verzweigten Merckle-Firmengeflechts und die Rolle des Merckle-Ziehsohns Bernd Scheifele.

Der Vorstandschef von HeidelbergCement räumte am Montag in der Telefonkonferenz zu den vorläufigen Jahreszahlen des Baustoffkonzerns mit einer Annahme auf, die in der bisherigen Diskussion als selbstverständlich galt. Eine Holding zur Steuerung aller Merckle-Unternehmen, zu denen HeidelbergCement und ratiopharm gehören, gebe es nicht, sagte er.

"Das war eine Zukunftskonzeption, die nie umgesetzt worden ist", sagte Scheifele. Er selbst übe lediglich sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender beim Pharmahändler Phoenix aus und sei im ratiopharm-Beirat.

Vor knapp einem Jahr hatte der schwäbische Firmenchef Adolf Merckle angekündigt, sein Unternehmensgeflecht neu zu ordnen. HeidelbergCement, ratiopharm und Phoenix sollten in eine Dachgesellschaft geführt werden.

Derzeit sucht die Merckle-Gruppe fieberhaft nach einem geeigneten Treuhänder, der die Zerschlagung der Merckle-Gruppe mit mehr als 100 Unternehmen in die Hand nimmt. Dabei wurden Scheifele gerade wegen seines Amtes als vermeintlicher Holding-Chef im Rennen um die Nachfolge des toten Merckle Chancen eingeräumt. Scheifele selbst wollte sich zu den Spekulationen um seine Person nicht äußern. "Dazu will ich jetzt nicht Stellung nehmen. Wir sind bei HeidelbergCement und nicht bei Scheifele."

Zuletzt wurde bekannt, dass drei Treuhänder für die Fortführung der Merckle-Unternehmen benannt werden sollen. Davon sollen sich dem Vernehmen nach zwei Spezialisten um den Verkauf von ratiopharm und Phoenix kümmern. Der dritte Treuhänder soll nach einem Kapitalgeber für den hoch verschuldeten Zementkonzern HeidelbergCement suchen. Im Gespräch war der frühere Vizechef der DG Bank, Karl-Herbert Schneider-Gädicke. Dieser fand in Finanzkreisen keinen Zuspruch. Auch der Insolvenzverwalter Jobst Wellensiek soll im Gespräch gewesen, aber von der zur Merckle-Gruppe gehörenden Vermögensverwaltungsgesellschaft VEM abgelehnt worden sein.

Noch treibt Scheifele die Suche nach einem Investor für HeidelbergCement persönlich voran. "Wir suchen Investoren, die bereit sind, eine Kapitalzufuhr bei HeidelbergCement zu zeichnen", sagt der Unternehmenschef. Dabei soll der Merckle-Ziehsohn bereits Gespräche mit Geldgebern in Asien und wohlhabenden Familien in Südwestdeutschland geführt haben. Ein Treuhänder, der diese Aufgaben übernehmen könnte, ist laut Scheifele noch nicht in Sicht. Er machte zugleich klar, dass ein Treuhänder nur über die Merckle-Anteile Einfluss auf das Unternehmen ausüben werde. "Ein Treuhänder ist bei uns keiner an Bord. Das bezieht sich auch - wenn überhaupt - nur auf die Gesellschafter-Stellung von Merckle."

Zudem betonte Scheifele, den Adolf Merckle vor seinem Tod als Ziehsohn aufgebaut und zum starken Mann im Merckle-Imperium gemacht hatte, immer wieder die eigenständige Stellung und Unabhängigkeit von HeidelbergCement von der Familie Merckle. Was die Aktionäre mit ihren Aktien machen, könne das Unternehmen nicht entscheiden. Er wisse nicht, was mit dem Anteil der Familie Merckle passiere, sagt Scheifele. "Darüber kann man nur spekulieren." Bei der Neustrukturierung der Gruppe übe er lediglich seine Organfunktionen aus.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »