Ärzte Zeitung online, 12.03.2009

Genentech-Übernahme durch Roche in trockenen Tüchern

BASEL (dpa). Es ist die größte Übernahme in der Schweizer Firmengeschichte: Der Pharmakonzern Roche übernimmt nach monatelangem Tauziehen seine US-Biotechnologietochter Genentech komplett.

Für 46,8 Milliarden US-Dollar (rund 37 Milliarden Euro) kauft Roche die restlichen Genentech-Anteile von 44 Prozent. Das berichtete das Unternehmen am Donnerstag in Basel. Der Pharmariese hält bereits seit 1990 eine Mehrheitsbeteiligung an dem 1976 gegründeten amerikanischen Unternehmen und besitzt derzeit 56 Prozent. Mit der Übernahme sichert sich Roche den direkten Zugriff auf umsatzstarke Krebsmittel wie den Kassenschlager Avastin. Roche war im Juli vergangenen Jahres mit einer Offerte von 89,9 Dollar je Aktie ins Rennen gegangen und zahlt nun 95 Dollar je Titel.

Trotz Finanzkrise soll der Kauf reibungslos über die Bühne gehen. Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer erklärte: "Die Finanzierung der Übernahme ist gesichert und somit kein Thema." Und er fügte hinzu: "Wir konnten die bisherigen Anleihen zu sehr vorteilhaften Bedingungen aufnehmen."

Es ist bereits der zweite große Deal in der Schweizer Pharmabranche. Der Roche-Konkurrent Novartis hatte im April 2008 bekannt geben, er wolle bis 2011 rund 39 Milliarden Dollar für eine Mehrheitsbeteiligung am US-Augenheilkundekonzern Alcon ausgeben.

Mit der Genentech-Übernahme entsteht nach Roche-Angaben auf dem amerikanischen Markt das siebtgrößte Pharmaunternehmen. Der Umsatz soll jährlich 17 Milliarden Dollar betragen. Die US-Aufsichtsbehörde werde die Übernahme voraussichtlich in zehn Tagen bewilligen. Genentech werde am bisherigen Standort bei San Francisco als unabhängiges Zentrum innerhalb der Roche-Gruppe weitergeführt. "Uns ist wichtig, dass wir die Genentech-Kultur beibehalten", betonte Humer. Die Synergieeffekte schätzte Humer auf 750 Millionen bis 850 Millionen Dollar im Jahr. Er rechnet damit, dass Genentech schon im ersten Jahr nach Abschluss der Transaktion zum Gewinn des Konzerns beitrage.

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