Ärzte Zeitung online, 07.05.2009
 

Medizintechnik-Branche spürt die Krise: 2009 verlangsamt sich das Wachstum

BERLIN (ami/ava).Die Medizintechnik ist weitaus weniger stark von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen als viele andere Branchen. Das teilte der Branchenverband Spectaris am Donnerstag in Berlin mit.

Die deutschen Medizintechnik-Unternehmen haben sich trotz der Wirtschaftskrise behauptet. Die 1250 deutschen Unternehmen erzielten nach Spectaris-Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatzzuwachs von 2,5 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro. "Negativrekorde habe ich nicht zu vermelden" so der Vorsitzende des Spectaris-Fachverbandes Medizintechnik und Vorstandsmitglied der Carl Zeiss Meditech AG, Ulrich Krauss. Allerdings sei die Branche mit diesen Zahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Anfang 2008 war von einem Wachstum von fünf Prozent die Rede gewesen.

Der Inlandsumsatz ist Ende 2008 eingebrochen

Ende 2008 habe die Wirtschaftskrise zugeschlagen, so Krauss. So sei der Inlands-Umsatz im November um 9,5 und im Dezember um 16,1 Prozent eingebrochen. Nur dank des Anstiegs im Exports und des Umsatzwachstums von vier Prozent in den ersten zehn Monaten von 2008 sei der Gesamtumsatz am Ende noch mit 2,5 Prozent im Plus gewesen.

Sorgen bereitet den Unternehmen die große Abhängigkeit vom Export: 65 Prozent aller Umsätze werden im Ausland getätigt. Die internationalen Märkte werden jedoch, so die Erwartung des Geschäftsführers von Spectaris, Sven Behrens, "immer unsicherer".

Die Zahl der Mitarbeiter ist um 4,4 Prozent gestiegen

Als erfreulich wertet der Verband die Beschäftigungsentwicklung. Mit fast 100 000 Mitarbeitern legte die Anzahl der Mitarbeiter in 2008 um 4,4 Prozent überproportional zu. Allerdings gebe es inzwischen auch bei einzelnen Herstellern Kurzarbeit. Fast 15 Prozent der Beschäftigten sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Rund neun Prozent des Umsatzes investiert die Branche Spectaris zufolge in diesen Bereich. Für das laufende Jahr seien die Firmen verhalten optimistisch. Spectaris prognostiziert einen stabilen Gesamtumsatz mit einer Veränderungsrate zwischen Null und einem Prozent bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl.

Die Branche erwartet ein leicht steigendes Auslandsgeschäft, das den zu erwartenden Umsatzrückgang im Inland ausgleicht. Unter den Exportmärken gehen derzeit insbesondere aus der Region Mittlerer und Naher Osten größere Nachfrageimpulse aus. Krauss erwartet hier in ein Plus von vier Prozent. Von Umsatzrückgängen geht der Verbandin Asien (- 3,5 Prozent) und Osteuropa (-7 Prozent) aus. In beiden Regionen sei die Wirtschaftskrise deutlich spürbar.

"Eine gute Gelegenheit den Investionsstau aufzulösen"

"Gerade jetzt ist ein starker Heimatmarkt wichtig," stellte Geschäftsführer Sven Behrens fest. Deutschland brauche die Medizintechnik, um wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Ein wesentlicher Ansatzpunkt sind nach Ansicht von Spectaris Investitionen in den Krankenhausmarkt. Denn mehr als die Hälfte der Medizintechnik wird dort eingesetzt.

Zum wiederholten Male erinnerte Behrens an den Investitionsstau von rund 50 Milliarden Euro an deutschen Krankenhäusern. "Jetzt gibt es eine gute Gelegenheit, diesen aufzulösen", forderte er.

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