Ärzte Zeitung online, 05.06.2009

China auf dem Weg zum globalen Pharmalabor

FRANKFURT/MAIN(dpa). China könnte einer Studie zufolge auf dem Weg zu einem globalen und günstigen Pharmalabor sein. Auslöser sei die staatliche Gesundheitsreform, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC).

Die Reform sehe den Aufbau einer zentralen Behörde für die Zulassung und Kontrolle von Medikamenten sowie die Ausgabenerstattung durch die Krankenversicherung vor. Gleichzeitig bietet die Pharmaforschung in China erhebliche Kostenvorteile.

Immer mehr chinesische Patienten vertrauen nicht mehr nur auf die traditionelle chinesische Medizin, sondern setzen auch auf westliche Pharmaerzeugnisse. "Schätzungen zufolge dürfte der Umsatz mit diesen Medikamenten weiterhin zweistellig wachsen und im Jahr 2012 ein Volumen von gut 21,5 Milliarden US-Dollar erreichen", sagte PwC-Experte Volker Fitzner. Zusammen mit der traditionellen Medizin zähle China bereits jetzt zu den fünf größten Pharmamärkten weltweit.

Den Marktchancen stünden allerdings auch hohe Risiken gegenüber. So sei das chinesische Verteilungssystem anfällig für Korruption und es gebe kaum unabhängige Apotheken. Stattdessen belieferten Zwischenhändler die Krankenhäuser, die die Medikamente mit einem gesetzlich begrenzten Preisaufschlag an Patienten verkaufen.

Ein wesentlicher Anreiz für westliche Unternehmen, Forschungs- und Entwicklungsaufgaben nach China zu verlegen, ist nach PwC-Angaben der erhebliche Kostenvorteil. "Pharmaunternehmen müssen für die Durchführung eines klinischen Tests in China nur etwa ein Drittel der Ausgaben aufwenden, die in einem westlichen Industriestaat angefallen wären", sagte Fitzner. "Selbst wenn ein Aufschlag für eventuell auftretende Kommunikations- und Organisationsprobleme sowie für den höheren Kontrollaufwand einberechnet wird, liegt die Ersparnis bei rund 50 Prozent." Zudem könnten immer mehr chinesische Vertragspartner mittlerweile neben chemischen Tests auch genetische Analysen in ihren Laboren durchführen.

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