Ärzte Zeitung online, 15.09.2009

Institut: Im Winter droht Entlassungswelle

NÜRNBERG (dpa). Deutschland droht nach Einschätzung von Arbeitsmarktforschern im kommenden Winter eine Entlassungswelle. Das für 2010 erwartete Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent werde nicht ausreichen, um weiterhin alle Arbeitsplätze zu erhalten. In den Wintermonaten 2009/2010 werde es daher verstärkt zu einem Arbeitsplatzabbau kommen, prognostizierte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag.

Nach Ansicht der Arbeitsmarktforscher können sich Betriebe unausgelastete Mitarbeiter nicht leisten. Zunächst würden Unternehmen Kurzarbeit abbauen und Überstunden anordnen, gab das Forschungszentrum der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu bedenken.

Im Jahr 2010 drohe daher ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit. Im Schnitt werden aller Voraussicht nach 4,1 Millionen Männer und Frauen ohne Stelle sein. Dies wären rund 640 000 mehr als in diesem Jahr. Für 2009 rechnet das Forschungszentrum der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,48 Millionen - nach 3,268 Millionen im Jahr 2008.

Das IAB unterstellt dabei ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent. Sollte dagegen die Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen, müsste sogar mit einer durchschnittlichen Jahresarbeitslosigkeit von 4,278 Millionen gerechnet werden, betonte das IAB in seiner aktuellen Arbeitsmarkt-Projektion. Mit einem Überschreiten der Fünf-Millionen-Marke im übernächsten Winter rechnet das IAB aber dennoch nicht.

Als Folge der stagnierenden oder nur leicht wachsenden Wirtschaft erwarten die Arbeitsmarktforscher auch einen starken Rückgang der Erwerbstätigen; ihre Zahl werde im Jahr 2010 im Vergleich zum 2009 um rund 800 000 auf rund 39,3 Millionen sinken. Im selben Umfang werde auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zurückgehen - und zwar von 27,4 Millionen auf 26,6 Millionen. Diese Beschäftigungsgruppe gilt als Hauptstütze des deutschen Sozialversicherungssystems.

Zunehmend entlastet wird der Arbeitsmarkt hingegen von der wachsenden Zahl älterer Menschen, die mit dem Wechsel in den Ruhestand aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Nach IAB-Erkenntnissen drängten aufgrund dieses sogenannten demografischen Effekts in diesem und im nächsten Jahr rund 300 000 weniger Männer und Frauen auf den deutschen Arbeitsmarkt - mehr als drei Viertel davon lebten in den neuen Bundesländern. Auch aus diesem Grund werde die Arbeitslosigkeit im Jahr 2010 fast ausschließlich in den alten Bundesländern steigen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »