Ärzte Zeitung online, 15.09.2009

Ein Mann mit internationaler Erfahrung soll Bayer-Chef Werner Wenning ablösen

LEVERKUSEN (dpa). Großes Stühlerücken im Bayer-Konzern: An die Spitze des Chemie- und Pharmaunternehmens wechselt im Oktober 2010 erstmals ein internationaler Topmanager. Der gebürtige Niederländer Marijn Dekkers wird den langjährigen Bayer-Chef Werner Wenning ablösen.

Bereits zum 30. April 2010 verlässt Finanzvorstand Klaus Kühn (58) das Unternehmen. Zu seinem Nachfolger ernannte der Aufsichtsrat Werner Baumann (46), derzeit Vorstandsmitglied der Bayer HealthCare AG.

Mit der Berufung des 51-jährigen Dekkers an die Spitze des Bayer-Konzerns endet eine lange Tradition des Unternehmens, die Vorstandsvorsitzenden aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Wenning wie auch seine Vorgänger Manfred Schneider und Hermann-Josef Strenger hatten ihre Karriere ebenfalls bei Bayer gemacht. Dekkers, der neben der niederländischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, ist derzeit Chef des US-Laborgeräteherstellers Thermo Fisher Scientific.

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, wurde der Vertrag von Wenning (62), wie kurz berichtet, um acht Monate verlängert. Hierdurch werde sowohl die Kontinuität wie auch eine ausreichende Zeit des Übergangs sicher gestellt, erklärte Aufsichtsratschef Manfred Schneider. Dass die Wahl auf Dekkers als Nachfolger von Wenning gefallen sei, begründete er vor allem mit der internationalen Erfahrung des Managers.

Dekkers wird bereits zum 1. Januar kommenden Jahres in den Bayer-Vorstand eintreten und dort in Personalunion den Teilkonzern HealthCare führen. Der bisherige Chef der Gesundheitssparte Arthur Higgins werde das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2010 verlassen.

Wenning steht seit sieben Jahren an der Spitze des Unternehmens. Der bekennende Fußballfan (Bayer 04 Leverkusen) hatte bei Bayer mit 19 Jahren eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen und war über zahlreiche Stationen schließlich 1997 in den Vorstand berufen worden. Kurz vor dem Wechsel in den Chefsessel stürzte die Lipobay®-Krise Bayer in die größte Krise in der Firmengeschichte. Der Cholesterinsenker stand im Verdacht, mitverantwortlich für zahlreiche Todesfälle zu sein.

Wenning stellte alle Geschäfte auf den Prüfstand und brachte Bayer wieder auf Kurs. Unter anderem wurde die traditionsreiche Chemie verkauft und der Pharmakonkurrent Schering geschluckt. Im vergangenen Jahr hatte Bayer mit rund 108 000 Menschen weltweit einen Umsatz von 32,9 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 3,5 Milliarden Euro erzielt. Im ersten Halbjahr 2009 geriet das Unternehmen in den Sog der Wirtschaftskrise, vor allem die Kunststoffsparte.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass unter dem künftigen Bayer-Chef der Verkauf der Industriesparte MaterialScience auf die Tagesordnung kommt. Anzeichen hierfür gibt es derzeit aber nicht. Wenning hat in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass eine Trennung von der Kunststoffsparte nicht in Frage komme.

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