Ärzte Zeitung, 29.09.2009

Schwarz-gelbe Wahleuphorie färbt auf Pharmaaktien ab

Schwarz-gelbe Wahleuphorie färbt auf Pharmaaktien ab

Foto: bilderbox©www.fotolia.de

FRANKFURT AM MAIN (hai). Der Ausgang der Bundestagswahl hat die Börsenkurse von Pharmaaktien zum Teil massiv beflügelt. Experten glauben jedoch nicht an den Beginn eines nachhaltigen Trends: "Politische Börsen haben nur kurze Beine." Anleger spekulierten darauf, dass die neue schwarz-gelbe Koalition für Pharmaunternehmen und Klinikbetreiber ungünstige Teile der jüngsten Gesundheitsreform rückgängig machen werden, sagten Händler.

Zu den stärkten Gewinnern zählt das Papier von Stada mit einem Plus von mehr als zehn Prozent. Vor zwei Wochen hatte Unternehmenschef Hartmut Retzlaff mit dem Umzug ins Ausland gedroht, da Stada durch das Unternehmenssteuerrecht und Rabattverträgen bei Arzneimitteln benachteiligt sei.

Leslie Illtgen, Analystin beim Bankhaus Lampe, stuft das Papier jedoch nur mit "Halten" ein: Stada müsse Produktionsstandorte zusammenlegen und mehr Arzneien selbst produzieren, um Kosten reduzieren und das Ergebnis steigern zu können. Im ersten Halbjahr war nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien und Serbien der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken.

Die Aktie des Seniorenheimbetreibers Curanum stieg sogar um über 16 Prozent. "Dahinter steht die Erwartung, dass durch die FDP mehr Häuser privatisiert werden und Curanum davon profitieren kann", sagt ein Händler. Skeptisch sind die Analysten von Goldman Sachs. Sie haben die Aktie nach schwachen Zahlen im zweiten Quartal mit "Verkaufen" eingestuft. "Die Wirtschaftspolitik in Deutschland wird sich durch Schwarz-Gelb nicht grundlegend ändern", dämpft auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer den Optimismus. Matthias Heck, Analyst bei Sal. Oppenheim, sieht vor allem bei Aktien von Energieversorgern die Chance für nachhaltige Kurssteigerungen: "Das Wahlergebnis macht den Weg frei für längere Laufzeiten von Kernkraftwerken." Die Aktien von EON legten mit einem Plus von über vier Prozent und RWE mit über drei Prozent allerdings weniger zu als die meisten Pharmawerte.

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