Ärzte Zeitung online, 07.10.2009

Hightech für die Zukunft - Biotechnologie als Wachstumsbranche

HANNOVER (dpa). Er ist silberfarben, glänzt und sieht aus wie eine Hightech-Kaffeemaschine - ist aber hochmoderne Wissenschaft. Der Bioreaktor führt mit chirurgischer Präzision eine Trägersubstanz und isolierte Gewebezellen des menschlichen Körpers aus zwei Saugröhren auf einer speziellen Glasschale zusammen. So sollen die Zellen vermehrt und zur Heilung in verletztes Gewebe transplantiert werden. Die moderne Knochen- und Knorpelregeneration gehört zu den Schwerpunkten der Messe Biotechnica in Hannover.

Die Biotechnologie gilt als Wachstumsbranche. Trotz der Wirtschaftskrise ist die Zahl der Aussteller bei Europas größter Messe für Biotechnologie, die noch bis zum Donnerstag dauert, im Vergleich zum Vorjahr kräftig gestiegen - um ein Fünftel auf 650. Neben der Knochen- und Knorpelregeneration zeigen die Aussteller auch Anwendungen der Biotechnologie in der Lebensmittelproduktion, im Umweltschutz und im Gesundheitswesen. Unternehmen zeigen etwa, wie aus Mikroorganismen Proteine aufbereitet werden. Sie sollen als Antikörper zur Behandlung von Krebs oder Immunkrankheiten verwendet werden.

Doch Forschung und Entwicklung in der Biotechnologie kosten viel Geld. Investoren aber halten sich wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise mit Krediten für die oft risikoreichen Entwicklungen zurück. Die Branche fordert daher mehr finanzielle Unterstützung vom Staat. Die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) sieht ihre Mitgliedsunternehmen bislang als benachteiligt an. DIB-Chef Stefan Marcinowski erhofft sich von der neuen schwarz-gelben Bundesregierung bessere Investitionsbedingungen und Steuererleichterungen.

"Nach unserer Sicht ist es erforderlich, dass der Staat die Innovationskraft aller forschenden Unternehmen mit einer steuerlichen Komponente stärkt", sagt Marcinowski. Sein Vorschlag: Die Biotechnologie-Firmen sollen künftig zehn Prozent ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung von der Steuerschuld absetzen dürfen. Zudem müsse die sogenannte Zinsschranke fallen, mit der die abzugsfähigen Zinsaufwendungen beschränkt werden. Das aber behindere Firmen mit einem hohen Investitionsbedarf.

Trotz einer Delle durch die Wirtschaftskrise blickt die Biotechnologie-Branche optimistisch in die Zukunft. 2008 lagen die Gesamterlöse bei 2,2 Milliarden Euro, für dieses Jahr wird ein nicht näher genannter Umsatzrückgang erwartet. Bald aber soll es wieder aufwärts gehen. "Die Branche erwartet in den kommenden Monaten eine leichte Belebung des Geschäfts", sagt DIB-Chef Marcinowski. "Die Talsohle ist durchschritten."

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