Ärzte Zeitung online, 20.11.2009

Zeitung: Merck-Tochter muss Vioxx-Akten offenlegen

BERLIN (dpa). Der US-Pharmakonzern Merck & Co. hat im Fall um das Schmerzmittel Vioxx® eine juristische Niederlage in Deutschland erlitten. Das Oberlandesgericht Brandenburg verpflichtete die deutsche Merck-Tochter MSD Sharp & Dohme nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" dazu, alle internen Unterlagen über Nebenwirkungen des Schmerzmittels herauszugeben.

Das Blatt beruft sich auf das Gericht. Nach Berichten über ein möglicherweise erhöhtes Infarkt- und Schlaganfallrisiko wurde Vioxx® 2004 vom Markt genommen.

Kläger war ein Berliner Witwer, dessen Ehefrau 2004 an einem Herzinfarkt starb, nachdem sie viereinhalb Jahre lang Vioxx® eingenommen hatte. Der Berliner Anwalt des Klägers, Jörg Heynemann, sagte dem "Tagesspiegel", das Urteil sei ein Durchbruch für die Betroffenen. Aus einer Hochrechnung des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gehe hervor, dass in Deutschland bis zu 7000 Menschen einen Herzinfarkt erlitten haben könnten, nachdem sie Vioxx® genommen haben. Das Medikament war nach seiner Markteinführung 1999 das meistverkaufte Produkt des US-Herstellers.

Rechtsanwältin Ina Brock, die MSD vertritt, ließ offen, ob das Unternehmen gegen das Brandenburger Urteil Berufung einlegt. Zwischen der Einnahme von Vioxx® und dem Herzinfarkt der Frau bestehe kein Zusammenhang, sagte sie dem "Tagesspiegel".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Hausarztverträge im Visier des BVA

Das Bundesversicherungsamt duldet Chronikerpauschalen in bisheriger Form nicht mehr. Bis Ende August müssen Kassen Verträge anpassen. Hausärzte-Chef Weigeldt ist vergrätzt. mehr »

Reiseimpfungen – Welcher Schutz ist nötig?

Egal, wohin die Reise geht, die Basisimpfungen sollten vorhanden sein. Doch auch 2018 gibt es für einige Länder spezielle Empfehlungen. mehr »

IQWiG hinterfragt Darmkrebs-Screening

Der aktuelle Rapid Report des IQWiG kommt ebenso wie der Abschlussbericht von 2013 zu dem Fazit: Der Nutzen des Screenings bei unter 55-Jährigen mit einem familiären Risiko für Darmkrebs ist unklar. mehr »