Ärzte Zeitung online, 07.08.2010

Gesundheitstourismus: Ägypten nimmt Kurs auf Medical Wellness und sucht Investoren

Vermögende Ärzte, die ihr Tätigkeitsfeld erweitern wollen, können es mit einem Engagement in Ägypten versuchen. Das Land der Pharaonen sieht Potenzial bei Medical Wellness und sucht risikobereite Investoren.

Von Ralf Blumenthal

Gesundheitstourismus: Ägypten nimmt Kurs auf Medical Wellness und sucht Investoren

Ägypten will sein Wellness-Angebot großflächig ausbauen.

© Kirsten Neumann / ddp

Sonne satt und Begegnungen mit einer 5000 Jahre alten Kultur auf Schritt und Tritt, das suchen und finden jährlich rund elf Millionen Touristen in Ägypten. Und es sollen noch mehr werden: 16 Millionen bis zum Jahr 2014. Das Land am Nil hat begonnen, mit Unterstützung der Europäischen Union sein touristisches Angebot um Badekuren und medizinisch qualifizierte Wellness-Angebote zu erweitern.

Bislang gibt es nur ein Hotel, das Patienten mit Schuppenflechte eine von einer Schweizer Dermatologin geführte Photo-Sole-Therapie anbietet. Hierfür stehen 30 Betten zur Verfügung. Größere Hotels werben mit der Heilkraft der Klimatherapie - meist ohne medizinische Begleitung. Binnen fünf Jahren könnte die Zahl der Übernachtungen im Segment Medical-Wellness von heute 660 000 auf über zwei Millionen verdreifacht und die Bettenzahl allein in den Hotels der Spitzenklasse von 280 im Jahr 2008 auf 2660 nahezu verzehnfacht werden, kalkulieren Dr. Stefan Thelen und Robert Travers, die im Rahmen eines EU-Projekts das ägyptische Tourismusministerium beraten. 19 000 neue Jobs könnten entstehen, der Bedarf an Fachpersonal wird mit rund 1500 angegeben.

In ihrem Projektbericht für das Tourismusministerium steht: "Sollte es gelingen, Investoren mit klaren Anreizen und Sicherheitsgarantien für ihre Investitionen - ohne bürokratische Behinderungen - zu gewinnen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln und aufzubauen, könnte dies ein Investitionspotenzial von mehr als einer Milliarde US-Dollar freisetzen."

Darüber hinaus soll unter Beteiligung des ägyptischen Gesundheitsministeriums der Medizintourismus ausgebaut werden. Nach Einschätzung der EU-Experten sind allerdings "erhebliche Investitionen" erforderlich, um neue Kliniken zu bauen oder bestehende zu optimieren.

Neben den hohen Investitionskosten erweist sich zur Zeit noch der Mangel an Fachkräften als Hürde. Vor allem die Hygiene macht Probleme. Nach offiziellen Angaben liegt die Hepatitis-C-Rate heute in Oberägypten bei 27 Prozent, im Nildelta immer noch bei 14 Prozent. Das vorhandene Fachpersonal ist auf die Hauptstadt konzentriert. "Fachkräfte bekommen Sie selbst mit Zuschlägen von 25 Prozent auf das Lohnniveau in Kairo oft nicht in die touristischen Zentren am Roten Meer," weiß der deutsche Honorarkonsul in Hurghada Peter-Jürgen Ely aus Erfahrung. Er kam vor 30 Jahren nach Ägypten und errichtete damals in Kairo ein Krankenhaus, das er später auch leitete.

Die Immobilienpreise sind im Vergleich zu Europa unschlagbar günstig. Ein Anwesen in Klinikgröße in repräsentatives Lage am Meer gibt es schon für um die 200 000 Euro. Doch auch hier steckt der Teufel im Detail: Zur Frischwasseraufbereitung beispielsweise ist für größere Wohnanlagen am Meer eine Entsalzungsanlage angezeigt. Und die Haustechnik entspricht vielfach nicht dem europäischen Standard.

Die EU hilft mit Fördermitteln. Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, empfiehlt Ely Investoren, sachkundige Berater hinzuziehen. Und selbst, wenn das Gebäude fertig gestellt und eingerichtet ist, sei mit einer Anlaufphase von drei bis fünf Jahren zu rechnen, ehe der Betrieb läuft. Die Aus- und Fortbildung des Personals muss oft zunächst in Eigenregie erfolgen.

Die Gründung eines Dachverbandes der Ägyptischen Spa- und Wellnessanbieter (ESWA) war ein erster Schritt, die notwendigen Voraussetzungen für einen medizinisch angehauchten Wellness-Tourismus zu schaffen. Ein Spezialkatalog mit qualifizierten Spa-Wellness-Angeboten ist der erste sichtbare Output des forcierten Engagements der Ägypter.

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