Ärzte Zeitung online, 02.05.2010

Bundesregierung: Keine staatliche Prämie für Elektroautos

BERLIN (dpa). Für den Kauf eines Elektroautos wird es in Deutschland keine staatliche Prämien geben. Dies hat die Bundesregierung unmittelbar vor dem Spitzentreffen zur Elektromobilität am Montag in Berlin unterstrichen. Im Mittelpunkt würden die Forschungsförderung und Anreize wie kostlose Parkplätze in den Innenstädten oder die Nutzung von Busspuren stehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in ihrer Video-Botschaft am Samstag, Deutschland müsse zum "Leitmarkt für Elektromobilität" werden. Elektroautos seien ein Beitrag zum Klimaschutz und zugleich eine Chance für die deutsche Automobilindustrie.

An diesem Montag wollen Bundesregierung, Automobilindustrie und Energiewirtschaft bei einem Spitzentreffen in Berlin eine "Nationale Plattform Elektromobilität" beschließen.

Merkel bekräftigte: "Wir wollen, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf unseren Straßen fahren. Bis dahin haben wir noch einen weiten Weg zu gehen." Da Deutschland die besten und ersten Autos im 20. Jahrhundert gebaut habe, sei es wichtig, "dass wir im 21. Jahrhundert die Nation sind, die die intelligentesten und umweltfreundlichsten Autos bauen kann". 

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte der "Bild am Sonntag": "Ich kann doch keine Prämie für ein Auto ausloben, das noch gar nicht auf dem Markt ist. Aus deutscher Sicht würde das derzeit ohnehin eher ausländischen Herstellern nutzen. Ich möchte, dass unsere Förderung in erster Linie unseren heimischen Herstellern zugute kommt."

Gleichwohl seien Anreize rund um das E-Auto möglich. Der Minister, Experten und Umweltverbände wie der WWF ließen keine Zweifel daran, dass der für Elektro-Autos benötigte Strom aus erneuerbaren Energien kommen müsse.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, hielt sich mit der Forderung nach einer staatlichen Kaufprämie für die deutlich teureren Elektroautos zurück. Über finanzielle oder regulatorische Fördermaßnahmen müsse letztlich die Regierung entscheiden, sagte Wissmann im Interview der Woche des Deutschlandfunks.

Die Grünen kritisierten den Elektro-Auto-Gipfel als konzept- und einfallslos. "Merkel will mit dem PR-Gipfel deutsche Defizite überspielen", sagte Fraktionschefin Renate Künast der "Frankfurter Rundschau" (Montag). Um den Rückstand gegenüber asiatischen Städten und Autofirmen aufzuholen, müsse die Regierung ein Gesamtkonzept entwickeln. Dazu müssten auch Kaufprämien für Elektroautos gehören, um den Markt anzukurbeln.

Opel-Chef Nick Reilly hat die Bundesregierung aufgefordert, den Absatz von Elektroautos mit direkten Prämien zu fördern. "Es wäre ermutigend, wenn auch die Bundesregierung diesen Weg beschreitet. Andere Länder sprechen von 5000 oder 6000 Euro als direkter Kaufunterstützung", sagte Reilly dem Berliner "Tagesspiegel" (Montagsausgabe).

Daimler-Chef Dieter Zetsche forderte mehr staatliche Unterstützung bei der Einführung der E-Autos. "Wir brauchen hier eine Art Anschubfinanzierung in Form von staatlichen Incentives (wirtschaftlichen Anreizen)", sagte Zetsche der Fachzeitung "Automobilwoche".

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen schätzt, dass die Elektromobilität und Elektrifizierung der Antriebe das Bild von der Automobilindustrie weltweit verändern wird. "Bereits für das Jahr 2015 rechnen wir aufgrund der schnellen Ausweitung des Angebots mit Hybrid, Plug-In-Hybriden und Elektrofahrzeugen mit einer weltweiten Nachfrage von über 4,5 Millionen Fahrzeugen. Diese Zahl wird sich bis zum Jahre 2020 auf 24,2 Millionen Neuwagenverkäufe mit Fahrzeugen der neuen Antriebsart weltweit steigern", sagte Dudenhöffer. Um die Chancen der deutschen Automobil- und Batterieindustrie zu verbessern, seien weitere Entwicklungsprogramme und Aktivitäten, aber keine "Nachfrageaktivitäten" notwendig.

Ein großes Problem der Hersteller bleiben die Kosten. "Der Haken ist im Moment: Selbst die höhere Zahlungsbereitschaft der Kunden für Elektromobilität wird in den nächsten zehn Jahren noch nicht ausreichen, um die Mehrkosten des elektrischen Antriebs, ganz besonders der Batterie, aufzuwiegen", sagte Roland Berger Partner Wolfgang Bernhart.

Nach seiner Einschätzung liegen die Mehrkosten heute zwischen 10 000 und 15 000 Euro und werden auch 2015 noch zwischen 8000 und 10 000 Euro betragen. "Die Mehrkosten eines Elektrofahrzeugs gegenüber einem mit konventionellem Antrieb werden frühestens 2020 unter 4500 Euro fallen, also den Betrag, den die potenziellen Nutzer von Elektroautos heute bereit wären, zu zahlen", sagte Bernhart.

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