Ärzte Zeitung online, 07.09.2010

Stihl sucht Fachkräfte auch bei Facebook und Xing

WAIBLINGEN (dpa). Kreative Suche im Internet, frühe enge Bindung der Talente und überdurchschnittliche Bezahlung - so lauten die Antworten des Motorsägenherstellers Stihl auf den drohenden Fachkräftemangel in der deutschen Industrie. Das schwäbische Familienunternehmen sucht auch bei Twitter, Facebook und Xing nach geeigneten Kandidaten.

Bei der Qualität macht der Maschinenbauer mit Sitz in Waiblingen vor den Toren Stuttgarts aber keine Kompromisse. Auch bei angelernten Montage-Tätigkeiten werde Wert darauf gelegt, dass die Leute bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung haben - auch wenn diese themenfremd ist. Grund: Damit würden die Bewerber bereits ein gewisses Lernverhalten und Verständnis für betriebliche Abläufe sowie Sprachsicherheit mitbringen.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg ist im bundesweiten Vergleich zwar noch recht komfortabel. Stihl befindet sich bei der Suche nach Akademikern und Facharbeitern aber in einem harten Wettbewerb. "Wir konkurrieren bei den Fachkräften mit den Autobauern und Zulieferern in der Region", sagt der Stihl-Personalchef für Deutschland, Markus Dörle. Attraktive Unternehmen wie Daimler, Porsche und Bosch nehmen das Familienunternehmen bei der Jagd nach guten Leuten in die Zange.

Der Motorsägenhersteller mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro setzt deswegen gerade beim akademischen Nachwuchs sehr früh an. "Wir haben die Zahl der Studenten im Unternehmen in den letzten Jahren deutlich nach oben geschraubt", erklärt der Personal-Manager. Pro Jahr gibt es rund 150 Stellen. "Dass wir jetzt mehr Stellen zur Verfügung stellen, das kostet uns natürlich auch mehr Geld. Aber das ist gut investiertes Geld", betont Dörle. "In den letzten Jahren konnten wir so in der Spitze 35 bis 40 Prozent der offen Ingenieur-Stellen aus dem Pool der Studenten besetzen, die bei uns ein Praktikum gemacht, ihre Diplomarbeit geschrieben oder als Werkstudent gearbeitet haben." Ende 2009 hatte Stihl im Konzern insgesamt 10 900 Beschäftigte.

Um die Fachkräfte an das Unternehmen zu binden und sich von den Mitbewerbern abzusetzen, setzt Stihl bewusst auf Abgrenzung zu den großen Konzernen: "Die Ingenieure, die bei uns anfangen, können ziemlich schnell ganzheitlich Verantwortung übernehmen", erklärt Dörle. Der Nachwuchs habe gerade bei der Entwicklung schnell die Möglichkeit, auch verantwortlich Produkte zur Serienreife zu bringen. "Das sieht bei anderen großen Unternehmen ganz anders aus. Mal überspitzt gesagt: Bei uns machen die jungen Ingenieure eine komplette Säge und nicht nur das Rücklicht oder einen Außenspiegel."

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