Ärzte Zeitung online, 07.09.2010

Großhändler boykottieren Novo Nordisk - Unternehmen bemüht sich um Kompromiss

MAINZ (cw). Die angespannte Liefersituation für Produkte des Diabetes-Spezialisten Novo Nordisk hat sich weiter zugespitzt. Inzwischen werden die Produkte nur noch von einem Großhändler, der Essener Noweda, ausgeliefert, während die Novo-Bestände bei allen anderen Grossisten zu Neige gingen und nicht nachbestellt werden. Die Lieferengpässe beträfen das gesamte Bundesgebiet.

Die Lieferengpässe beträfen das gesamte Bundesgebiet. Daher würden jetzt immer mehr Apotheken direkt vom Unternehmen beliefert, erklärte eine Novo-Nordisk-Sprecherin auf Anfrage. Es könne jedoch keine Rede davon sein, dass Novo Nordisk – wie im Markt zwischenzeitlich kolportiert – nicht lieferfähig sei. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe man die Bestellannahme personell verstärkt. Daher beginne sich das System der Apotheken-Direktbelieferung einzuspielen.

Allerdings sei man nicht daran interessiert, langfristig ganz auf Direktbelieferung umzustellen. Das sei auch durch einen Kapazitätsausbau nicht vergleichbar effektiv wie die Distribution der zumal kühlkettenpflichtigen Insulinprodukte über den Großhandel.

Trotz der unfreundlichen Stimmungslage verhandele man weiter mit den Großhändlern, um „schnellstmöglich zum alten System zurückzukehren“, so die Firmensprecherin. In den Gesprächen geht es offenbar vor allem um einen Kompromiss in Sachen Skonto. Den hatte Novo Nordisk nämlich zum 1. August von 1,5 auf 0,5 Prozent gesenkt und damit – trotz gleichzeitiger Verlängerung des Zahlungsziels - den massiven Unmut der Großhändler ausgelöst. Lediglich die Noweda war und ist bereit, den gesenkten Skontosatz zu akzeptieren.

Anlass der Maßnahme war die Erhöhung des Herstellerrabatts von sechs auf 16 Prozent für nicht-festbetragsgeregelte Arzneimittel einerseits und fast zeitgleich der Verordnungsausschluss langwirksamer Insulinanaloga gegen Typ2-Diabetes andererseits, der durch Rabattverträge abzufangen war. Auf diese mehrfache Belastung der Ertragskraft habe man auch durch Reduktion freiwilliger Kulanzregelungen reagiert, heißt es.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[08.09.2010, 16:02:40]
Alexander von Chiari 
Richtigstellung
Aus Sicht der NOWEDA eG Apothekergenossenschaft schildert der Artikel das Marktgeschehen weitgehend zutreffend. Falsch ist allerdings die Feststellung, wonach die NOWEDA bereit war und ist, den gesenkten Skontosatz zu akzeptieren. Die NOWEDA als genossenschaftlich organisiertes, apothekereigenes Wirtschaftsunternehmen stellt gegenwärtig noch die Versorgung ihrer Mitglieder sicher. Das bedeutet nicht, dass die NOWEDA die Vorgehensweise von Novo Nordisk befürwortet oder den gesenkten Skontosatz akzeptiert. Vielmehr wird die NOWEDA im Interesse ihrer Mitglieder weiter mit Novo Nordisk über angemessene Lieferkonditionen verhandeln.

Alexander von Chiari
Pressesprecher NOWEDA eG zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

O-Saft senkt das Gicht-Risiko - und hält schlank

Vom Saulus zum Paulus: Galten Fruchtsäfte einst als gesunde Getränke, verbannen heute sogar manche Schulen die süßen Säfte. Forscher brechen jetzt eine Lanze für Orangensaft. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »

Prä-Op-Leistungen - Und wer zahlt jetzt das Labor?

Wenn eine Leistung in der anderen enthalten ist, kann sie nicht gesondert abgerechnet werden. Diese Regelung greift unter anderem beim präoperativen Labor. Die Laborreform ändert daran nichts. mehr »