Ärzte Zeitung, 22.09.2010

Siemens vor Milliardenabschreibung

MÜNCHEN (dpa). Siemens muss in seinem Medizintechnik-Geschäft im vierten Geschäftsquartal bis zu 1,4 Milliarden Euro abschreiben. Hintergrund ist nach eigenen Angaben eine Neubewertung mittelfristiger Wachstumserwartungen und langfristiger Marktentwicklungen in der Labordiagnostik.

Siemens hatte 2006 und 2007 verschiedene Diagnostik-Unternehmen - die Bayer-Diagnostiksparte sowie die US-Unternehmen DPC und Dade Behring - für insgesamt mehr als elf Milliarden Euro übernommen und zu einer Diagnostiksparte geschmiedet.

Über die drohenden Abschreibungen war bereits spekuliert worden, weil sich die hochgesteckten Ziele der Sparte nicht erfüllten. Auch Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hatte bereits in einer Analystenkonferenz entsprechende Andeutungen gemacht. Die Abschreibungen seien nicht zahlungswirksam, erklärte das Unternehmen. Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2009/10 (30. September) bleibe davon unberührt.

Konzernchef Peter Löscher begründete den Schritt mit den veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitsmarkt und verteidigte zugleich den Kauf der Unternehmen. Siemens sei heute ein weltweit führender Anbieter für bildgebende Verfahren, Healthcare-IT und Labordiagnostik. "Die Akquisitionen in der Labordiagnostik waren dafür wichtige Schritte", erklärte Löscher.

Der Chef des Medizintechnik-Sektors von Siemens, Hermann Requardt, ergänzte: "Während die Kostenziele im Rahmen der Integration der drei Unternehmen voll erfüllt wurden, sind wir bei dem Wachstum hinter unseren Zielen zurückgeblieben. Diese Herausforderungen gehen wir nun auf einer den neuen Geschäftszielen angepassten Bewertungsbasis konsequent an."

Zum 1. Mai war in der Labordiagnostik-Sparte ein neues Management eingesetzt worden. Seither leitet Michael Reitermann das Geschäft. Er war zuvor für den US-Vertrieb und - Service des Medizintechnik-Geschäfts verantwortlich.

Topics
Schlagworte
Unternehmen (11094)
Organisationen
Siemens (571)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Borderline und Psychosen "heilen" mit Antiepileptika

Manche psychisch Kranken brauchen keine Neuroleptika, sondern Antikonvulsiva. Tauchen im EEG bestimmte Muster auf, ist das ein Hinweis auf eine paraepileptische Psychose. mehr »

Epilepsierisiko nach Sepsis erhöht

Überleben Patienten eine Sepsis, ist die Gefahr epileptischer Anfälle in den folgenden Jahren vier- bis fünffach erhöht. mehr »

PKV muss für unverheiratete Paare zahlen

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe ist die Beschränkung der Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung auf Ehepaare in der PKV unzulässig. mehr »