Ärzte Zeitung online, 14.12.2010

Hoffnung nicht erfüllt: Intercell stoppt Entwicklung von Impfpflaster

Es wäre eine Innovation: ein Impfstoffpflaster gegen Reisedurchfall. Doch nun hat der Hersteller Intercell die Entwicklung gestoppt. Grund dafür sind unzureichende Studienergebnisse. Die Aktie verlor am Montag fast die Hälfte ihres Wertes.

WIEN (eb). Der österreichische Impfstoffspezialist Intercell hat die Entwicklung seines Impfpflasters gegen die Reisediarrhö gestoppt. Als Grund gab das Wiener Unternehmen am Montag unzureichende Ergebnisse der Wirksamkeitsstudien an.

Die Vakzine gegen Infektionen mit E. coli habe die Endpunkte in den Phase-II- und Phase-III-Studien nicht erfüllt, hieß es. Der Impfstoffkandidat sollte vor enterotoxischen Infektionen mit E. coli (ETEC) schützen, bei denen hitze-labile (LT) und/oder hitze-stabile (ST) Toxine im Stuhl nachgewiesen werden können.

Intercell hält dennoch an der Pflaster-Technik fest. Auch für zukünftige Vakzinen biete die Technik eine geeignete Methode zur Immunisierung. Schlüsselstudien hätten immerhin gezeigt, dass das Impfstoffpflaster gegen den Erreger der Reisediarrhö ein reproduzierbares Niveau an schützenden Antikörpern induziere.

Für das börsennotierte Unternehmen bedeutet der Entwicklungsstoff dennoch eine Zäsur. Der Vorstand geht davon aus, dass er weitere Meilensteinzahlungen von Investoren nicht erhalten wird. Das könnte letztlich in einer Wertberichtigung münden. Der geplante Verlust für 2010 könnte erheblich höher ausfallen als die erwarteten 40 Millionen Euro.

Die Börse reagierte schockiert auf die Nachricht. Der Kurs der Aktie brach am Montag um über 40 Prozent auf rund 10 Euro ein. Kurz nach Bekanntgabe des Entwicklungsstop lag er knapp bei neun Euro.

Intercell will seine Forschung nun auf andere Projekte in der klinischen Entwicklung konzentrieren. Erfolg versprechend seien die Kandidaten gegen nosokomiale Infektionen, darunter Vakzine gegen Pseudomonaden, Clostridium difficile und Staphylococcus aureus.

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