Ärzte Zeitung online, 14.12.2010
 

Ausnahmejahr für die deutsche Chemieindustrie

FRANKFURT/MAIN (cw). Mit elf Prozent Produktionswachstum sind die deutschen Chemieunternehmen 2010 fulminant aus der Wirtschaftskrise gekommen. Für 2011 erwartet der Branchenverband VCI nur noch 2,5 Prozent Plus, respektive eine Rückkehr auf Normalniveau.

"Unsere Branche hat ein erstaunliches Jahr erlebt, das in dieser Form eine Ausnahme bleiben wird", kommentierte Dr. Klaus Engel, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), die vorläufigen Kennzahlen 2010 am Dienstag in Frankfurt am Main.

Ein derart starkes Produktionswachstum habe man zuletzt 1976 gesehen. Der Gesamtumsatz der deutschen Chemie-Unternehmen nahm 2010 um 17,5 Prozent auf knapp 171 Milliarden Euro zu. Nach leichtem Kapazitätsabbau ist die Anlagenauslastung mit 85 Prozent inzwischen wieder so hoch wie 2007, dem Jahr vor der Krise.

Von einem "selbsttragenden Aufschwung" könne jedoch noch "nicht die Rede sein", so Engel. Vielmehr hätte "eine expansive Geld- und Fiskalpolitik" die Nachfrage beflügelt. Es sei zu erwarten, dass die hohe Staatsverschuldung viele Länder zwinge, zu sparen. Jetzt erst werde sich zeigen, wie stabil die Konjunktur wirklich sei.

Für 2011 rechnet der VCI-Präsident mit einer Zunahme der Produktion um 2,5 Prozent, die Erzeugerpreise dürften um 1,5 Prozent zulegen und der Branchenumsatz um vier Prozent.

Während die von der Wirtschaftskrise am stärksten betroffenen Chemie-Sparten 2010 auch die stärksten Zuwächse verbuchten, schnitt die Produktion von Pharmazeutika mit plus 0,5 Prozent relativ schwach ab. Allerdings lag die pharmazeutische Produktion 2010 mit plus 1,5 Prozent deutlich über der Menge des Vorkrisenjahres 2007. Im Branchendurchschnitt ist die Chemieproduktion dagegen noch zwei Prozent von der 2007er-Marke entfernt.

Die Nachfrage aus dem Ausland sorgte 2010 für 20 Prozent mehr Umsatz (auf 99,6 Milliarden Euro). Im Inland erlösten die deutschen Chemie-Unternehmen mit 71 Milliarden Euro 14 Prozent mehr. Damit blieb das Geschäft im Inland noch rund zehn Prozent hinter dem Volumen vor der Wirtschaftskrise zurück.

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