Ärzte Zeitung online, 05.12.2011

Celesio will bei Spezialitäten wachsen

STUTTGART (cw). Celesio macht Fortschritte in seinem Bemühen, mehr Marktanteil im Logistik-Geschäft mit hochpreisigen und anspruchsvoll zu handhabenden Innovationen ("Specialty Pharmacy") zu gewinnen.

Die britische Konzerntochter AAH Pharmaceuticals wird exklusiv für Merck Serono deren Fertilitätshormone "an sämtliche Dispensierstellen" - Kliniken, Apotheken und Ärzte - im Königreich liefern.

Dies sei der erste Exklusiv-Vertrag für Celesio in Großbritannien, bei dem man alleiniger Logistik-Partner eines Pharmaunternehmens sei, versicherte Konzernchef Markus Pinger beim traditionellen Pressetermin Anfang Dezember in Stuttgart.

Exklusive Vertriebsmodelle hatte Celesio in Großbritannien, wo solche Partnerschaften weiter verbreitet sind, schon früher geschlossen. Etwa mit Novartis, Roche oder Astra Zeneca. Allerdings gab es dabei immer auch mindestens einen weiteren Distributions-Partner.

2012 Aufhellung im Heimatmarkt

Wachstum im Speciality-Pharmacy-Geschäft stellt einen Baustein des von Konzernchef Pinger ausgerufenen Strategiewechsels der Stuttgarter dar. Dazu zähle auch die kürzlich erfolgte Mehrheitsübernahme an dem brasilianischen Großhändler Oncoprod, der auf Krebsmedikamente spezialisiert ist.

Einen "Schlachtplan" für weitere Specialty-Pharmacy-Projekte gebe es noch nicht, so Pinger weiter. Man sei gegenwärtig dabei, lokale Marktgegebenheiten zu analysieren. Pinger ist sich jedoch sicher, "dass es in nahezu allen Ländern Chancen dafür gibt".

Nach einem schwierigen Jahr 2011, das in Deutschland vor allem von dem vernichtenden Rabattwettbewerb geprägt war, den sich die Grossisten geliefert haben, rechnet Pinger für 2012 auch im Heimatmarkt wieder mit steigenden Erträgen.

Unterm Strich hätten im irrationalen Werben um die umsatzstarken Apotheken - Phagro-Chef Trümper spricht von "betriebswirtschaftlich unsinnigen Konditionen" - "alle verloren", so Pinger.

Mit der Drehung der Arzneimittelpreisverordnung und der Einführung eines nicht rabattierfähigen, packungsbezogenen Fixums ab Januar 2012 werde sich die Lage aber entspannen, ist Pinger überzeugt.

Verkaufsabsicht für Pharmexx und Movianto bekräftigt

Unterdessen gilt als sicher, dass das Geschäftsfeld "Manufacturer Solutions", zu dem der Leasingaußendienst Pharmexx und die Logistik-Tochter Movianto gehören, verkauft wird.

Obgleich der offizielle Sprachgebrauch lautet, die Sparte "auf den Prüfstand zu stellen", ließ Pinger in Stuttgart doch unmissverständlich Trennungsabsichten durchblicken. "Wir haben in den neuen Geschäftsfeldern nicht erreicht, was wir uns erhofft haben", bedauerte der Celesio-CEO.

2010 erzielte die Unit bei einem Rohertrag von 412 Millionen Euro nur 12 Millionen Euro EBITDA. Geplant war jedoch, das "Manufacturer Solutions" bis 2015 ein EBITDA von 150 Millionen Euro schafft. Es sei offenkundig, so Pinger, dass die für viel Geld erworbenen Geschäfte dieses Ziel nicht erreichen werden.

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