Ärzte Zeitung, 15.12.2011

Das Geschäft mit Burnout boomt

Mit Burnout lässt sich Geld verdienen. Honorare von 2000 bis 3000 Euro pro Tag sind nicht selten. Und auch Reiseveranstalter springen auf den Zug auf.

Von Karin Finkenzeller

Das Geschäft mit Burnout boomt

Diagnose Burnout: Von Erholungsangeboten bis hin zur strukturierten psychotherapeutischen Depressionsbehandlung kann alles auch als Burnout-Behandlung deklariert werden.

© Lichtmeister / shutterstock.com

MÜNCHEN. Burnout ist längst nicht mehr nur ein Thema für Ärzte und Psychotherapeuten. Inzwischen ist daraus ein viele Millionen Euro schwerer Wirtschaftszweig entstanden.

Nach Schätzungen der Krankenkassen fühlt sich ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung ausgebrannt. Vor wenigen Jahren standen noch Rückenschmerzen an vorderster Stelle bei Krankmeldungen. Inzwischen sind es zumeist Burnout-(Aus-)Fälle, die Deutschlands Wirtschaft laut dem Prüfkonzern Dekra jährlich rund 43 Milliarden Euro kosten.

Kein Wunder, dass Versicherungen mit Hinweis auf Burnout für den Abschluss von Berufsunfähigkeitspolicen werben. Betriebsräte haben Anspruch auf eine vom Arbeitgeber bezahlte Schulung bei einem der tausenden wie aus dem Erdboden sprießenden Anti-Burnout-Coaches. Honorare von 2000 bis 3000 Euro für ein Tagesseminar sind keine Seltenheit.

Reiseangebote für geplagte Menschen

Kostet so eine Schulung den Unternehmer doch immer noch bedeutend weniger als ein Mitarbeiter, auf den er durchschnittlich 30 Tage verzichten muss. Reiseveranstalter haben Angebote für die geplagte Klientel ins Programm genommen - vom Wellness-Erlebnis im ehemaligen böhmischen Senioren-Ziel Marienbad bis hin zur Selbstfindung in der garantiert handyfreien Wüste.

Andreas Hillert flatterten auch schon Angebote für die Dienste einer Anti-Burnout-Tango-Therapeutin ins Haus. "Die kommerzielle Potenz der Thematik ist unübersehbar", sagt der Chefarzt der medizinisch-psychosomatischen Schön Klinik Roseneck im Prien am Chiemsee.

"Popularität hat Markt geschaffen"

"Von Erholungsangeboten aller Art bis hin zur strukturierten psychotherapeutischen Depressionsbehandlung kann alles auch als Burnout-Behandlung deklariert werden." Die aktuelle Popularität habe "einen Markt geschaffen, der sich zwar gerne wissenschaftlicher Vokabeln bedient, aber gleichwohl jenseits wissenschaftlicher Ansprüche liegt".

Therapeuten, die ihre Arbeit ernst nehmen, müssen sich immer häufiger der Konkurrenz von Laien stellen, die auf den Zug aufspringen.

"Leute, die ich betreue, stehen oft vor dem Kollaps. Die brauchen kein Yoga auf La Palma", sagt Frank Berndt, der seine Burnout-Beratung in Neuburg an der Donau bereits seit 1998 betreibt. "Damals gab es noch nicht diesen Hype."

Doch im Zuge der Diskussion um den Fachkräftemangel ist auch die Sensibilität der Arbeitgeber für das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter gestiegen. (dpa)

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[17.12.2011, 00:51:19]
Florian Diaz Pesantes 
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