Ärzte Zeitung, 23.04.2012

Bayerns Biotech-Unternehmen stecken sich hohe Ziele

Bayern will bei den Biotech-Standorten weltweit ganz vorne mitspielen. Die Landesregierung will dabei kräftig mithelfen.

MÜNCHEN (sto). Die Biotech-Unternehmen in Bayern haben sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im vergangenen Jahr trotz der Finanzkrise "gut behauptet".

Zu schaffen macht der Branche allerdings das Finanzierungsklima: Im vergangenen Jahr standen bundesweit nur rund 150 Millionen Euro als Risikokapital für Neugründungen und Investitionen zur Verfügung.

Davon ging immerhin fast die Hälfte nach Bayern, berichtete Professor Horst Domdey, Geschäftsführer der BioM Biotech Cluster Development GmbH, bei der Präsentation des Bayerischen Biotechnologie-Reports 2011 in München.

"Wir wollen ganz nach vorne mitspielen"

Bayern solle zu einem "weltweit bedeutenden Standort in der Biotechnologie" ausgebaut werden, erklärte der Vertreter des Wirtschaftsministeriums Dr. Hans Schleicher. "Wir wollen ganz vorne mitspielen", sagte er.

Schon jetzt sei Bayern in der Biotechnologie führend in Deutschland und einer der drei Top-Standorte in Europa. Ziel sei es, Forschung und Unternehmen noch besser zusammenzubringen, den Transfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft zu beschleunigen und so auch neue Arbeitsplätze zu schaffen, erklärte Schleicher.

Die in Bayern tätigen Biotech-Unternehmen befassen sich überwiegend mit der Entwicklung neuer Medikamente, berichtete Domdey.

Derzeit werden "Kandidaten" für neue Medikamente aus diesen Unternehmen in über 80 klinischen Studien weltweit getestet, darüber hinaus befinden sich mehr als 100 Kandidaten in der präklinischen Forschung.

321 Biotech-Unternehmen in Bayern

Die bayerischen Biotechnologie-Unternehmen haben ihre Beschäftigtenzahlen im vergangenen Jahr um rund zwei Prozent leicht ausgebaut, berichtete Domdey.

Bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die erstmals mehr als 4000 Mitarbeiter in Bayern beschäftigen, liege der Zuwachs sogar bei sechs Prozent.

Zu den Erfolgen gehöre auch, dass sich in den vergangenen 15 Monaten drei Biotechnologie-Firmen aus den USA und eine japanische Pharmafirma in Bayern angesiedelt haben, berichtete Domdey.

Die Konsolidierung in der Branche konnte dadurch jedoch nicht ausgeglichen werden. Derzeit sind in Bayern 321 Unternehmen im Bereich Biotechnologie und Pharma angesiedelt, gegenüber 329 in 2010.

Die Umsätze kleiner und mittlerer Biotech-Unternehmen stiegen im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf rund 515 Millionen Euro und erreichten damit einen neuen Höchststand, erklärte Domdey. Davon entfielen allerdings allein rund 100 Millionen Euro auf die Martinsrieder Morphosys AG.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »