Ärzte Zeitung, 27.06.2012

Anzag: Weniger Erträge auf dem Heimatmarkt

Das AMNOG hat das Verhältnis zwischen Pharmagroßhändlern und Apothekern zeitweilig arg strapaziert.

FRANKFURT/M. (cw) Der Pharmagroßhandel hat den ihm durch das AMNOG für 2011 auferlegten Sparbeitrag von 200 Millionen Euro "ziemlich punktgenau erreicht".

Etwa ein Viertel dieser Summe wurde durch Konditionenkürzungen an die Apotheker weitergegeben. Das sagte der Vorsitzende des Großhandelsverbandes Phagro, Dr. Thomas Trümper, anlässlich der Bekanntgabe der Jahreszahlen des Pharmahändlers Anzag, dessen Vorstandsvorsitzender Trümper ist.

Das AMNOG forderte dem Zwischenhandel für das Jahr 2011 einen Rabatt pro abgegebener Packung von 0,85 Prozent des Herstellerabgabepreises ab. Seit Beginn dieses Jahres gilt die neue Großhandelsvergütung mit einem Packungsfixum von 0,70 Euro plus 3,15 Prozent Marge.

Diese beiden aufeinander folgenden AMNOG-Bausteine hätten wegen der damit einhergehenden mehrfachen Konditionenanpassung zu erheblicher Verwirrung bei den Apothekenkunden geführt, so Trümper weiter.

Zwischen Handel und Offizinbetreibern habe es "erhebliche Dissonanzen gegeben", die sich inzwischen jedoch wieder gelegt hätten.

Hoher Druck im Pharmagroßhandel

Zudem hätten einige Großhändler versucht, mit teils unverhältnismäßigen Rabatten Marktanteile zu gewinnen. Unter dieser Gemengelage habe auch die Anzag im Geschäftsjahr 2011/12 (zum 31.3.) gelitten.

Im Pharmagroßhandel, so Trümper, sei der Druck durch Wettbewerb, Politik und Apothekerschaft inzwischen derart hoch, dass das Geschäft im Heimatmarkt kein Geld mehr abwerfe.

Das illustriere auch die Umsatz- und Gewinnsituation der Anzag: Während zuletzt mehr als 80 Prozent der Erlöse von 4,6 Milliarden Euro in Deutschland erwirtschaftet wurden, steuerten die beiden voll konsolidierten Auslandstöchter Oktal (Kroatien) und Farmexpert (Rumänien) mit 28 Millionen Euro doch mehr als die Hälfte zum Betriebsgewinn (EBIT) von 52,6 Millionen Euro bei.Angesichts der schwierigen Bedingungen im inländischen Pharmagroßhandel hat die Anzag ihre Erwartungen für 2012 heruntergeschraubt.

Finanzvorstand Dr. Ralf Lieb rechnet jetzt nur noch mit einem Prozent mehr Umsatz. Ursprünglich standen zwei bis drei Prozent Zuwachs im Plan. Den Großhandel betrachte man vor allem als Basis, auf der sich neue Geschäfte aufbauen lassen, erklärte Trümper.

Erst kürzlich hatte die Anzag angekündigt, neue Logistik- und Vertriebsservices für Pharmahersteller anzubieten und mit den Eigenmarken des Mutterkonzerns Alliance Boots hierzulande auch ein Endverbrauchergeschäft aufzuziehen.

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