Ärzte Zeitung, 07.07.2012

Logistikunternehmen im Übernahmefieber

Die Aktienkurse der Logistikkonzerne steigen. Einen Beitrag dazu leisten auch die Fusionen der Branchengrößen.

Von Richard Haimann

Logistikunternehmen im Übernahmefieber

Der Straßengüterverkehr hat sich verstärkt - Spediteure profitieren von den wachsenden Online-Käufen.

© Dean Picture/imago

NEU-ISENBURG. In der Logistikbranche ist das Übernahmefieber ausgebrochen. Das treibt die Aktienkurse der Branchenunternehmen in die Höhe. Analysten sehen weiteres Potenzial.

Der US-Paketdienstleister United Parcel Service (UPS) hat dieses Jahr für 5,16 Milliarden Euro den niederländischen Mitbewerber TNT Express aufgekauft.

Der amerikanische Expresstransportspezialist FedEx übernahm jetzt den französischen Logistikdienstleister Tatex und den polnischen Kurierdienst Opek.

Etliche weitere Deals könnten nach einer neuen Studie der Beratungsgesellschaft KPMG demnächst folgen.

"Übernahmen gewinnen im Transport- und Logistiksektor wachsende Bedeutung", sagt Steffen Wagner, Partner und Leiter der europäischen Transaktionsaktivitäten von KPMG im Logistiksegment.

Aktie der Deutschen Post stieg um über zehn Prozent

Das treibt die Aktienkurse börsennotierter Transportdienstleister kräftig an. So stieg das Papier der Deutschen Post seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent.

Dabei könnte die Post nur als Aufkäufer agieren, nicht aber übernommen werden, da die Bundesregierung über die Staatsbank KfW 35 Prozent der Anteile hält.

Ebenso legten in den vergangenen Monaten die Aktien von Fedex und UPS stärker zu als der Dow-Jones-Index, obwohl beide Konzerne gerade Milliardenbeträge für Übernahmen aufwenden - was in der Regel zunächst auf den Kurs drückt.

Börsianer würden Aufkäufer nicht abstrafen, sondern gezielt auf deren Aktien setzen, weil die Logistiker über hohe Barbestände verfügen und nur gering verschuldet sind, sagt Wagner. "Die Unternehmen haben gut gefüllte Kassen."

Deshalb können sie Konkurrenten übernehmen, ohne hohe Schulden machen zu müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftszweigen ist die Branche der Transportdienstleister gut durch die vergangenen Krisenjahre gekommen.

Denn immer mehr Konsumenten kaufen Waren über das Internet ein und verschaffen so den Spediteuren kräftiges Wachstum. Branchengigant UPS steigerte im ersten Quartal 2012 den Umsatz im Vergleich zur Vorjahreszeit um 4,4 Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie stieg um 9,9 Prozent.

Die Deutsche Post legte beim Umsatz um 4,3 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis je Aktie wuchs sogar um 63 Prozent auf 0,44 Euro. Für das Gesamtjahr stellt Vorstandschef Frank Appel ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 2,5 bis 2,6 Milliarden Euro in Aussicht.

"Die finanzielle Lage des Konzerns ist sehr stabil", sagt Appel. "Wir verfügen weiterhin über eine Nettoliquidität."

FedEx-Papier gilt als besonders lukrativ

Die meisten Analysten raten deshalb zum Einstieg in die Branchenpapiere. Nach Angaben des Finanzdatenauswerters Narrative Sciences lauten 85,2 Prozent der Empfehlungen für die acht größten börsennotierten Transportdienstleister in den USA auf "Kaufen".

Besonders optimistisch fallen die Einschätzungen für das FedEx-Papier aus. Brandon R. Oglenski von Barclays Capital sieht das Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten bei 119 Dollar - was einem Gewinn von rund 35 Prozent entsprechen würde.

Die Branchenbeobachter von Raymond James haben ihre Empfehlung für die FedEx-Aktie von Outperform auf "Stark Kaufen" heraufgesetzt. Auch für die Aktie der Deutschen Post sind Analysten nach den guten Quartalszahlen zuversichtlich gestimmt.

Die Experten der Landesbank Berlin und Volker Sack von der NordLB haben die Aktie von Halten auf Kaufen heraufgestuft. Robert Czerwensky von der DZ Bank bekräftigte noch einmal seine Kaufempfehlung.

Dem Konzern sei es gelungen, das Briefgeschäft im Inland zu stabilisieren. Die Pakettochter DHL profitiere von ihrer "starken weltweiten Marktposition und konnte insbesondere in Asien bei Umsatz und Ergebnis deutlich zulegen".

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