Ärzte Zeitung, 09.07.2012

Merck Darmstadt verliert Geduld mit Portugal

DARMSTADT (dpa). Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA will die schlechte Zahlungsmoral der staatlichen Krankenhäuser in Portugal nicht länger hinnehmen.

Das Dax-Unternehmen hat der Regierung in Lissabon gedroht, künftige Forschungsprojekte in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe abzuziehen, wenn sich die Krankenhäuser nicht an Abmachungen zur Schuldentilgung halten, so ein Sprecher. Wie hoch die ausstehenden Forderungen sind, wollte der Sprecher nicht sagen.

Nach Angaben der Financial Times Deutschland schulden allein die staatlichen Krankenhäuser in Portugal der Pharmaindustrie insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro. Im Durchschnitt müssten die Unternehmen knapp 550 Tage warten, bevor ihre Rechnungen bezahlt werden.

Wegen der fehlenden Zahlungsmoral in den hoch verschuldeten Staaten - neben Portugal auch Spanien, Italien und Griechenland - hätten Konzerne wie Roche bereits den kreditfinanzierten Medikamentenverkauf eingestellt, schreibt das Blatt.

Auch Merck klagt über Zahlungsprobleme in Spanien oder Italien. Im Krisenland Griechenland musste das Unternehmen bereits eine teure Erfahrung machen: Zwischen 2007 und 2009 summierten sich offene Rechnungen über bis zu 60 Millionen Euro.

2010 wurde die Schuld mit griechischen Staatsanleihen beglichen. Nach dem Schuldenschnitt im März seien die Papiere heute nur noch neun Millionen Euro wert.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Diese Aspekte schinden den Körper von Astronauten

Die Forschung auf der ISS liefert wichtige Erkenntnisse, ist aber Schwerstarbeit für den Organismus. Was passiert dabei mit dem Körper genau – und wozu das Ganze? mehr »

GBA warnt Spahn vor GKV-Systembruch

Der Versuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bewertungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss zu umgehen, stößt auf massive Gegenwehr – nicht nur im GBA. mehr »

§219a – Eine Reform und ihr Preis

Nach dem Beschluss im Bundestag, dürfen Ärzte künftig darüber informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Doch glücklich ist mit dem Kompromiss niemand. Auch nicht mit der Studie zu den Folgen einer Abtreibung. mehr »