Ärzte Zeitung online, 05.10.2012

Insolvente Versandapotheke

Sanicare beliefert Kliniken nicht mehr

Insolvente Versandapotheke: Sanicare beliefert Kliniken nicht mehr

Keine Medikamente mehr von Sanicare: Die insolvente Versandapotheke beliefert seit Donnerstag keine Kliniken mehr - und bringt diese nach Aussagen des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker in eine prekäre Situation. Unterdessen wird spekuliert: Steigt DocMorris ein?

BAD LAER (dpa/ths). Die zahlungsunfähige Versandapotheke Sanicare hat die Belieferung von rund 50 Kliniken mit Medikamenten gestoppt.

"Seit Dienstagabend können wir nicht mehr garantieren, dass die Ware an die betroffenen Krankenhäuser ausgeliefert wird", hieß es am Donnerstag aus der Insolvenzverwaltung.

"Auf keinen Fall mehr schwarze Zahlen"

Grund für die bundesweite Einstellung sei, dass Zulieferer des Unternehmens aus Bad Laer bei Osnabrück ihrerseits Schulden befürchteten, wenn sie weiter Material an Sanicare abgeben.

Mit den Gläubigern - mehr als 1000 einzelnen Lieferanten - sollen nun rasch Gespräche geführt werden. Die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Freitag) hatte über den Lieferstopp bei Sanicare berichtet.

Der Geschäftsbereich sei zudem nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, ergänzte der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Ralph Bünning: "Es ist ein Feld, das auf keinen Fall mehr für schwarze Zahlen taugt."

In der vorigen Woche hatte das Unternehmen noch versichert, dass Großkunden weiter beliefert werden könnten.

Die Sanicare-Gruppe versorgt auch Hunderte Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen mit Arzneimitteln.

ADKA sieht betroffene Kliniken in prekärer Situation

Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) warnte vor den möglichen Folgen einer Aussetzung.

Für viele Kliniken entstehe wohl eine prekäre Situation, heißt es in einer Mitteilung. "Der plötzliche Ausfall der Sanicare-Apotheke als Versorger stellt die Krankenhäuser, die sich damals für Mönter entschieden haben, jetzt vor das große Problem, sich womöglich kurzfristig um einen neuen Lieferanten kümmern zu müssen", sagte ADKA-Geschäftsführer Klaus Tönne.

Er verteilte noch einen kleinen Seitenhieb: "Wir haben immer schon und immer wieder darauf hingewiesen, dass die beste und sicherste Versorgung für Krankenhauspatienten aus der eigenen Krankenhausapotheke kommt. Nun zeigt dieses eklatante Beispiel einer Fehlentwicklung, wie wichtig und wie wahr das ist."

Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" verhandelt inzwischen eine Reihe von Interessenten mit Sanicare über einen möglichen Einstieg.

DocMorris interessiert?

"Wir haben eine stattliche Zahl, kleinere wie größere Firmen und internationale Investoren", erklärte die Insolvenzverwaltung. Allerdings unterschlägt sie dabei, dass wegen des geltenden Fremd- und Mehrbesitzverbotes nur Apotheker Versandhandel betreiben dürfen und dazu eine Präsenzapotheke benötigen. Außerdem ist die Menge der Filialen auf maximal drei begrenzt.

Dem Zeitungsbericht zufolge könnte auch Europas Branchenführer DocMorris zum Zuge kommen. Die Niederländer wollten ein Interesse demnach weder dementieren noch bestätigen.

Allerdings hatte DocMorris bereits 2006 schlechte Erfahrungen mit einer eigenen Apotheke in Saarbrücken gemacht.

Gegen die Betriebserlaubnis wurden später etliche Klagen erhoben, der Fall landete schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof - mit der Konsequenz, dass DocMorris die Apotheke schließen sollte. Die nachvollziehbare Frage: Warum sollte DocMorris im Fall von Sanicare dieses Risiko für einen Streit erneut eingehen?

Nach dem kürzlichen Tod von Johannes Mönter, dem Chef der Sanicare-Gruppe, hatte dessen Familie einen sogenannten Nachlassinsolvenzantrag gestellt. Unter anderem sind auch drei niedergelassene Apotheken von der Pleite betroffen. Insgesamt geht es um die Arbeitsplätze von über 500 Beschäftigten.

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