Ärzte Zeitung, 26.11.2014

Wirkstoffe

IMS prognostiziert Innovationswelle

Über 2000 neue Wirkstoffe werden derzeit weltweit in der klinischen Spätphase entwickelt. Viele davon gegen Krebs und andere schwere Krankheitsbilder.

FRANKFURT/MAIN. Nach einer Phase gehäufter Patentausläufe für große Produkte stehen die Zeichen für die forschenden Arzneimittelherstellernun wieder auf Wachstum. Mehr Innovationen gegen schwere und seltenere Erkrankungen, ein besserer Zugang der Patienten zu Arzneimitteln sowie schließlich auch weniger Patentabläufe lassen die weltweiten Arzneimittelausgaben bis 2018 um bis zu 30 Prozent auf dann 1,3 Billionen Dollar (1,1 Billionen Euro) zunehmen.

Das meldet das Frankfurter Beratungsunternehmen IMS Health. Jährlich würden die Medikamentenausgaben während des Prognosezeitraums um durchschnittlich vier bis fünf Prozent steigen.

USA und Japan vorn

Preis-Instrumente wie Rabatte, Erstattungsbeträge oder Festbeträge könnten das Ausgabenwachstum für die Kostenträger um rund ein Viertel drücken, heißt es. Ohnehin entfalle der Löwenanteil des Wachstums auf die USA und Japan. In den großen europäischen Märkten, unter anderem Deutschland, Frankreich und Großbritannien, blieben die Zuwächse eher niedrig, da hier diverse Kostendämpfungsmaßnahmen Bremskraft entfalteten.

Anhaltende Dynamik wird auch den Medikamentenausgaben im Reich der Mitte attestiert. Dort erreiche der Markt bis 2018 ein jährliches Umsatzvolumen zu Herstellerabgabepreisen von 155 bis 185 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: 2012 waren es 77 Milliarden Dollar.

Ausgabentreiber in den Gesundheitssystemen werden auch weiterhin Spezialarzneimittel sein, denen IMS Health 40 Prozent des insgesamt bis 2018 erwarteten Marktzuwachses zurechnet. Dabei handele es sich insbesondere um neue Krebsmittel, Innovationen gegen Autoimmun- und Atemwegserkrankungen sowie antiviral und immunsuppressiv wirkende Therapeutika.

Immer häufiger sei gerade in diesen Indikationen mit einem therapeutischen Durchbruch zu rechnen oder sogar der Option auf Heilung. Allein auf dem Gebiet der Hepatitis C, wo derzeit schon etliche neue Wirkstoffe zugelassen sind und weitere kurz vor der Zulassung stehen, legten die Ausgaben rasant zu. Bis 2018 könnten neue HCV-Medikamente Gesamtausgaben von rund 100 Milliarden Dollar verursachen.

Starke Pipelines

Entsprechend hoch sei die Pipeline-Produktivität. Derzeit befinden sich laut IMS über 2000 neue Wirkstoffe in der klinischen Spätphase, ein Viertel davon gegen Krebs. Man erwarte eine "zweite Innovationswelle, ähnlich der Mitte der 2000er Jahre". Allerdings sei der Zugang der Patienten zu neuen Wirkstoffen unmittelbar nach Zulassung nicht selbstverständlich. Sogar in den Industrieländern stünden dem diverse nationale Anwendungsbestimmungen entgegen. (cw)

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