Ärzte Zeitung, 24.03.2016

Stada

Mittelfristig lukrative Perspektiven

Die Stada AG hat weiterhin mit negativen Währungseffekten zu kämpfen. Neben der anhaltenden Rubelschwäche gibt im Vorfeld der Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens (UK) in der EU nun auch das Pfund nach. Wachstum stellt der in Russland wie in UK verkaufsstarke Konzern für 2016 nur auf bereinigter Basis in Aussicht.

Von Christoph Winnat

FRANKFURT/MAIN. 2015 konnte Stada auf sein 120-jähriges Bestehen zurückblicken, 1895 wurde das Unternehmen von Dresdener Apothekern gegründet. Bis heute hat der seit 1957 im südhessischen Bad Vilbel ansässige Marken- und Generikahersteller traditionell einen hohen Anteil Pharmazeuten unter seinen Aktionären.

Generika zählen seit rund 40 Jahren zum Kerngeschäft - mit inzwischen wieder deutlich abnehmender Tendenz. Bis 2018 soll der Nachahmeranteil am operativen Konzerngewinn auf 33 Prozent sinken. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr betrug diese Quote 51 Prozent, 2010 waren es sogar noch 64 Prozent.

Adalimumab-Similar 2020

Wachstumsthemen sind für Stada dagegen der weitere Ausbau des Markengeschäfts - worunter man gebrandete rezeptfreie Arzneimittel sowie verschreibungspflichtige Spezialpharmazeutika versteht -, Biosimilars, medizinische Ästhetik und DNA-Diagnostika.

Letztere würden unter dem Markendach der Vertriebslinie Stadapharm vermarktet, die nach der Konzentration im Heimatmarkt auf nurmehr eine rabattvertragsaktive Generikalinie (Aliud) neu zu positionieren sei.

In Verhandlungen mit den Krankenkassen lote man derzeit aus, ob es für einige dieser Diagnostika, mit denen sich die Arzneimitteltherapie patientenindividuell optimieren lasse, eine Erstattung geben könnte, teilte Stada-Vorstandschef Hartmut Retzlaff während der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt mit. Im Gespräch seien etwa die Indikationskontexte Depression und Brustkrebs.

Auch bei der Biosimilarentwicklung komme man voran, so Retzlaff weiter. Voraussichtlich 2017 werde Stada ein eigenes Pegfilgrastim einführen, 2018 ein Teriparatid-Similar und möglicherweise auch schon einen Nachbau des Roche-Blockbusters Rituximab. Frühestens 2020 sei mit einem Biosimilar aus dem Hause Stada zu Adalimumab (Original: Humira®) zu rechnen.

Perspektivisch besonders interessant ist auch der Einstieg Stadas in das Geschäft mit ästhetischer Medizin. Mitte Dezember hatte Stada eine Vertriebskooperation mit der österreichischen Croma Pharma geschlossen und damit Rechte unter anderem an Hyaluronsäure-Produkten sowie einem Botulinumtoxin A erworben, das momentan in Phase III für kosmetische Anwendungen geprüft wird.

 Retzlaff hofft, 2018 damit in den Markt zu kommen. Mittelfristig wolle man gesamteuropäisch und insbesondere im lukrativen Selbstzahlermarkt Russland als Ästhetik-Anbieter auftreten, so Retzlaff. Weitere kleinere Zukäufe für dieses Geschäftsfeld seien nicht ausgeschlossen. Zudem verhandele man in Südkorea momentan mit fünf potenziellen Partnern über Entwicklungs- und Fertigungsdienstleistungen.

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