Ärzte Zeitung, 31.05.2016

Pharma 2015

Kosten und Innovationsprozesse im Griff

Von Innovationslücke keine Spur: Die Entwicklungspipeline der großen forschenden Pharmafirmen ist so gut gefüllt wie lange nicht. Und viel deutet darauf hin, dass es sich dabei um Neuheiten handelt, die einen erheblichen medizinischen Nutzen versprechen.

Von Christoph Winnat

Kosten und Innovationsprozesse im Griff

Von Innovationslücke keine Spur.

© Novartis Influenza Vaccines Marburg GmbH

FRANKFURT/MAIN. Die Pharmabranche bleibt für Anleger interessant. Zwar hat sich das Umsatzwachstum der globalen Big Player währungsbereinigt zuletzt (2015) leicht abgekühlt. Doch stehen die Zeichen ebenso auf steigender Profitabilität wie auf wachsender Pipeline-Produktivität. Offenkundig haben die großen Firmen Kosten und Innovationsprozesse im Griff.

Und wo sich doch Lücken auftun, werden sie mit gezielten Zukäufen geschlossen. Das geht aus einer Performance-Analyse der 21 weltweit größten Arzneimittelhersteller hervor, die die Beratungsgesellschaft Ernst & Young zu Wochenbeginn in Frankfurt vorgestellt hat.

Demnach konnten die Top-21-Unternehmen 2015 währungsbereinigt ihre Einnahmen im Schnitt um 3,7 Prozent auf 429 Millionen Euro verbessern. Im Vorjahr betrug das Branchenwachstum noch 4,2 Prozent. Absolut gesehen, also unter Berücksichtigung von Wechselkurseffekten zugunsten der Berichtswährung Euro, brachten es die großen Konzerne auf 18,7 Prozent Zuwachs.

Zwölf Prozent mehr in den Pipelines

Operativ verbuchte die Branche vor Zinsen und Steuern ein Gewinnplus von 23,4 Prozent auf 147 Milliarden Euro. Um Wechselkurseffekte bereinigt betrug das EBIT-Wachstum 6,8 Prozent. Damit verbesserte sich den Angaben der Berater zufolge die operative Gewinnmarge um einen Punkt auf 26 Prozent.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung legten währungsbereinigt um etwas mehr als drei Prozent auf rund 80 Milliarden Euro zu. Mit 3770 Wirkstoffen zählten die Analysten 12 Prozent mehr Kandidaten in den Entwicklungspipelines als 2014.

Weiter heißt es: "Auch die Anzahl der Medikamente in den späteren Phasen - also unmittelbar vor einer möglichen Zulassung beziehungsweise währenddessen - ist wieder nach oben gegangen, nachdem sie im Jahr zuvor zurückgegangen war."

Dabei habe die Branche qualitativ Fortschritte gemacht, schlussfolgert Gerd Stütz, Marktsegmentleiter Life Sciences bei Ernst & Young für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Stütz: "Dank neuer Methoden wie Biomarker oder Diagnostiktools lassen sich Projekte heutzutage bereits sehr früh stoppen, weil man rechtzeitig merkt, dass sie nicht die gewünschten Behandlungserfolge bringen. Dass die Unternehmen wieder mehr Medikamente bis in die späten Phasen bringen, beweist, dass sie qualitativ hochwertige Produkte in der Spur haben".

Das nach Anzahl aktuell bearbeiteter Wirkstoffkandidaten wichtigste Therapiegebiet ist nach wie vor die Onkologie. Hier befinden sich derzeit 1584 Wirkstoffe in klinischen Projekten.

Mit weitem Abstand an zweiter Stelle rangieren Infektionskrankheiten (472 Kandidaten) und an dritter Stelle das Indikationsgebiet ZNS (451). Den stärksten Anstieg der F&E-Ausgaben verzeichneten laut Report zuletzt Abbvie, Bayer, Gilead und Boehringer Ingelheim. Den höchsten F&E-Anteil am Pharmaumsatz hatten Eli Lilly, Boehringer, Bristol-Myers und Novartis.

Übernahmeboom hält an

Doch auch Wachstum durch Übernahmen hat im globalen Pharmageschäft weiterhin Konjunktur. Nach dem Rekordjahr 2014 hätte es 2015 noch einmal einen kräftigen Schub für Merger und Akquisitionen geben können - wenn die im November angekündigte Fusion Pfizers mit dem Wettbewerber Allergan nicht ein halbes Jahr später wieder wegen verschärfter Steuergesetze in den USA abgeblasen worden wäre. Mit strategischen Übernahmen - Stichwort Konzentration auf Kernkompetenzen - sei jedoch weiterhin zu rechnen.

Siegfried Bialojan, Leiter des Life Science Centers bei Ernst & Young in Mannheim: "Wir werden in den kommenden Jahren weiter eine hohe Aktivität auf dem M&A-Markt sehen. Die Konzerne stoßen ganze Unternehmensteile ab oder kaufen neue hinzu, um sich gezielt zu verstärken."

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