Ärzte Zeitung, 09.06.2016

Krebs-Markt

Bis 2020 jährlich zehn Prozent Zuwachs?

Die Krebs-Pipeline der Industrie ist prall gefüllt. Das Marktwachstum bleibt aber vergleichsweise moderat.

PARSIPPANY. Die Onkologie ist dasjenige Teilgebiet, auf dem sich forschenden Pharmafirmen seit Jahren am stärksten engagieren. Trotzdem wachsen auch hier die Bäume nicht in den Himmel: Bis 2020, prognostiziert das Beratungsunternehmen IMS Health in einem neuen Report, wird der weltweite Umsatz mit Krebsmedikamenten zu Herstellerabgabepreisen jährlich zwischen 7,5 Prozent und maximal 10,5 Prozent auf dann 150 Milliarden Dollar (nach heutigem Kurs 132 Milliarden Euro) zulegen.

 Mit einer linearen Fortsetzung des starken Verkaufswachstums der vergangenen Jahre - von wechselkursbereinigt knapp vier Prozent Plus in 2011 auf 11,5 Prozent Marktzuwachs in 2015 - ist demnach nicht zu rechnen. Im Gegenteil schwächt sich die Wachstumsdynamik pro anno sogar leicht ab.

2015 erreichten die Erlöse im weltweiten Krebsmittelgeschäft 107 Milliarden Dollar. Rund die Hälfte des globalen Gesamtumsatzes mit Onkologika entfiel zuletzt auf die USA (48,5 Prozent); hier zog das Verkaufswachstum mit 13,5 Prozent voriges Jahr überdurchschnittlich an. Knapp 22 Prozent des Marktes wurden 2015 in den fünf größten EU-Märkten erwirtschaftet.

Laut IMS arbeiten derzeit mehr als 500 Firmen an neuen Krebsmitteln, fast 600 Wirkstoffe befänden sich in fortgeschrittenen klinischen Prüfphasen. Die häufigsten Indikationen dieser Kandidaten seien nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, Brustkrebs, Prostata-, Ovarial- und Kolorektalkarzinom.

Bei rund der Hälfte der reifen Pipelinekandidaten handele es sich um rekombinante Substanzen, einschließlich 16 Gentherapien, mehr als 80 monoklonalen Antikörpern sowie 15 Biosimilars. Auf Krebs-Projekte entfielen aktuell 87 Prozent der späten klinischen Projekte der forschenden Pharmaindustrie.

Seit 2010 wurden dem Report zufolge 70 neue Krebsmittel für insgesamt 20 Tumor-Anwendungen zugelassen; in den Zulassungsdossiers besonders häufig vertretene Indikationen waren Lungenkrebs (10 neue Wirkstoffe), Leukämie (8), Melanom (8) multiples Myelom (6) und Lymphome (10). Die Einführungsgeschwindigkeit und damit die Verfügbarkeit der neuen Mittel steht auf einem anderen Blatt: Von 49 neuen Wirkstoffen, die zwischen 2010 und 2014 in den Markt kamen, waren laut IMS Ende 2015 weniger als die Hälfte in den sechs großen westlichen Märkten (USA, Deutschland, UK, Frankreich, Italien und Kanada) erhältlich. Erste Krebs-Immuntherapeutika seien in den meisten Industrieländern verfügbar; in Entwicklungsländern jedoch sei noch keine einzige Immuntherapie zugelassen. (cw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »