Ärzte Zeitung, 22.07.2016
 

Fixkostenabschlag: Kölner Uniklinik macht sich Sorgen

Die Kölner Uniklinik hat 2015 ihren Gewinn kräftig steigern können. Im stationären Stammgeschäft allerdings sah es operativ nicht so gut aus. Entsprechend reserviert gibt man sich angesichts anstehender Kappungs-Szenarien.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Die Universitätsklinik Köln warnt vor einer Verschlechterung der Patientenversorgung durch das Krankenhausstrukturgesetz. Sollten sich die Krankenkassen mit ihrer Forderung nach einem Fixkostendegressionsabschlag von deutlich über 25 Prozent durchsetzen, werde die Behandlung von schwerstkranken Patienten nicht mehr kostendeckend möglich sein, sagte der Kaufmännische Direktor Günter Zwilling vor Kurzem vor Journalisten in Köln. "Wir hoffen noch auf eine Korrektur durch die Politik."

Bei der Versorgung von schwerstkranken Patienten seien die Fixkosten häufig viel höher als bei anderen Behandlungen. Das betreffe sowohl die Personal- als auch die Sachkosten. "Wenn Sie zwei oder drei Intensivbetten mehr haben, brauchen Sie zusätzliches Personal", nannte Zwilling ein Beispiel. Auch gebe es sehr hohe Aufwendungen für Medikamente.

Maximalversorger in Gefahr?

Der Fixkostendegressionsabschlag bedrohe alle Unikliniken und die anderen Häuser der Maximalversorgung, sagte der Vorstandsvorsitzende und ärztliche Direktor der Kölner Uniklinik Professor Edgar Schömig. "Der eingeschlagene Weg ist sehr gefährlich." Zurzeit mache sein Haus noch keine großen Verluste mit der Versorgung Schwerstkranker, und es gebe auch keine Selektion von Patienten. "Aber es besteht die Gefahr, dass das in Zukunft nicht so bleibt".

In der Kölner Uniklinik sind vergangenes Jahr mehr als 340 000 Patienten behandelt worden, das war eine Steigerung um neun Prozent. Das Wachstum kam vor allem aus dem ambulanten Bereich. Gerade in der Notfallversorgung gab es nach Angaben des ärztlichen Direktors einen starken Zuwachs. "Dort sind wir weit unter Kostendeckung." In der Spitze registrierte das Haus eine Auslastung von 92 Prozent. Angesichts des bundesweiten Durchschnittswerts über alle Kliniken von 77 Prozent sieht der Klinikchef das als Beleg für das hohe Ansehen der Uniklinik und das große Vertrauen der Patienten.

Effizienzreserven ausgeschöpft

Direktor Günter Zwilling begrüßte, dass der Kölner Uniklinik in der nordrhein-westfälischen Krankenhausplanung 124 zusätzliche Betten zugesprochen worden sind. Damit kommt sie auf 1540 Betten. Das Personal ist im vergangenen Jahr um 400 auf 10.700 Mitarbeiter aufgestockt worden. "Damit gehören wir weiterhin zu den größten Arbeitgebern im Rheinland", versichert Zwilling. Weder in der Pflege noch in der ärztlichen Versorgung gebe es bislang Rekrutierungsprobleme. "Wir haben in keinem Fach Ärztemangel, wir können alle ärztlichen Stellen besetzen", berichtete Schömig.

Die Uniklinik Köln mit ihren elf Tochtergesellschaften erzielte 2015 einen Umsatz von 887 Millionen Euro, das waren knapp drei Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich von 2,9 Millionen Euro auf 5,1 Millionen Euro. Zwilling spricht allerdings von einem "Wermutstropfen": Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit habe sich in der Uniklinik ohne die Tochtergesellschaften trotz positiver Leistungsentwicklung um 30 Prozent verschlechtert. "Das zeigt, dass wir mit der Hebung von Effizienzreserven an unsere Grenzen stoßen."

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