Ärzte Zeitung, 15.07.2016

Privatliquidation

Auch hier ist kritische Zuweisung denkbar

Unter dem Eindruck des Anti-Korruptionsgesetzes verabschiedet sich das Abrechnungsunternehmen Mediserv von seinem bisherigen Kooperationsmodell für Zahnärzte und Dentallabore.

Von Christoph Winnat

Auch hier ist kritische Zuweisung denkbar

An einem schönen Gebiss haben Dentallabore oft maßgeblichen Anteil - Warum nicht auch an den Factoringgebühren des beauftragenden Zahnarztes? Weil das möglicherweise als Korruption ausgelegt werden könnte.

© Andriy Bezuglov / Fotolia .com

SAARBRÜCKEN. Mit dem Anti-Korruptionsgesetz kommen jetzt auch angestammte Geschäftsbeziehungen auf den Prüfstand, die künftig möglicherweise kritische Zuführungs-Tatbestände beinhalten. So beispielsweise verhält es sich mit der "Partnerfactoring" genannten Kooperation zwischen Zahnärzten, Dentallaboren und dem Abrechnungsunternehmen Mediserv.

Dabei wurde in der Vergangenheit eine Dienstleistungsgebühr für die Abwicklung des Forderungsmanagements - Mediserv kauft private Forderungen von Heilberuflern - zwischen Zahnärzten und Dentallaboren aufgeteilt.

Skonto statt Gebührenanteil

"Der Vorteil für den Arzt bestand darin, dass das Labor Factoringgebühren aus dem Laboranteil zahlte und dem Arzt lediglich die Gebühren berechnet wurden, die auf den Rechnungsanteil für ärztliche Leistungen entfielen", erklärt eine Unternehmenssprecherin. Unter Umständen hätte das sogar so weit gehen können, konkretisiert die Sprecherin, dass ein Zahnarzt gar keine Servicegebühr entrichten musste.

"Es ist nicht auszuschließen, dass unter Geltung des Anti-Korruptionsgesetzes diese Konstellation durch die Strafverfolgungsbehörden als Bestechung auf der einen , beziehungsweise Bestechlichkeit auf der anderen Seite bewertet würde", heißt es.

Daher wurde dieses Kooperationsmodell jetzt eingestellt und damit auf die Umlegung der Factoringgebühr verzichtet. Bei dem "mediserv laborclearing" getauften neuen Verfahren vereinbaren Zahnarzt und Dentallabor einen Skonto für die sofortige Begleichung der Laborkosten.

Nur Arzt zahlt Factoringgebühr

"Tritt der Zahnarzt/Arzt seine Gesamtforderung einschließlich des Fremdlaboranteils an mediserv ab, zahlt mediserv im Auftrag des Zahnarztes/Arzt den Fremdlaboranteil direkt an das Labor aus, abzüglich des vereinbarten Skontos", beschreibt Mediserv das neue Modell.

Das Factoring werde also "ausschließlich mit dem Zahnarzt/Arzt betrieben", der dafür eine entsprechende Gebühr entrichtet. Von Unternehmensseite wird das neue Modell als korruptionssicher eingestuft, "da insbesondere die Gewährung von branchenüblichen Skonti in der Gesetzesbegründung zum Anti-Korruptionsgesetz im Gesundheitswesen für zulässig erachtet wurde".

Die 1997 gegründete Mediserv Bank GmbH übernimmt unter anderem mittels Forderungskauf laut Selbstbeschreibung "die Privatliquidation für Ärzte, Zahnärzte, Chefärzte und Kliniken sowie Dentallabore und weitere Heilberufe". Darüber hinaus erbringt das Unternehmen Bankdienstleistungen für Heilberufler.

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