Ärzte Zeitung, 23.11.2016

Nicht nur elitär

Zentrum für Gesundheit eröffnet in Frankfurt

In der Mainmetropole hat mit dem Center of Diagnostic Excellence ein neues Gesundheitszentrum eröffnet. Im Fokus: Privatpatienten aus dem In- und Ausland. Dennoch sehen die Gründer das Zentrum nicht als elitäre Einrichtung.

Von Anne Bäurle

FRANKFURT/MAIN. Am Goetheplatz in Frankfurt hat das – dem eigenen Ermessen nach – innovativste Diagnostik- und Gesundheitszentrum in Hessen eröffnet. Auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern bietet das Center of Diagnostic Excellence (Code) "individuelle Gesundheitskonzepte auf Basis medizinischer Diagnostik, die durch Angebote in den Bereichen Sport, Ernährung und psychotherapeutische Beratung ergänzt werden", so Dr. Maani Hakimi, Gründer von Code und Leiter der Sektion translationale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg, bei der Eröffnung des Zentrums.

Mediziner verschiedener Fachgebiete – darunter Orthopäden, Urologen und Rheumatologen – sollen im Code-Gesundheitszentrum interdisziplinär zusammenarbeiten. 17 festangestellte Ärzte sind es derzeit, hinzu kommen Ärzte mit Kliniktätigkeit: Kooperationspartner des Zentrums sind die Unikliniken Heidelberg und Frankfurt am Main, das Klinikum Hoechst und das Klinikum Nordwest.

Der Patient soll im Code-Zentrum eine gemeinschaftlich entwickelte Diagnose erhalten und einen individuell gestalteten Behandlungsplan – Gesundheitsberatung mit Fitness- und Ernährungs-Coaching inklusive.

Fokus auf Medizintourismus

Damit sei eine Verknüpfung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung möglich, dem Patienten blieben beschwerliche Wege zwischen Hausarzt, Spezialisten und Klinik erspart, ist Gerrit Wein, zweiter Gründer von Code und von Hause aus Betriebswirt, überzeugt.

So könnten zudem Doppeluntersuchungen und damit Kosten für den Patienten und auch die Krankenkassen vermieden werden. Wein war bis 2014 Geschäftsführer der Med2Heal GmbH, deren Schwerpunkt auf Medizintourismus liegt.

Auf dieser Branche soll Weins Angaben zufolge auch in Zukunft der Fokus des Gesundheitszentrums liegen. "Wir sehen unser Konzept als Medizin der Zukunft", betont Wein. Im Code-Gesundheitszentrum würden die überkommenen Grenzen ärztlicher Fachbereiche aufgebrochen.

Dennoch sehen die beiden Geschäftsführer Code nicht als elitären Gesundheitstempel für Privatpatienten. Auch GKV-Patienten können sich im in einem Check-up untersuchen lassen – sie müssen dafür allerdings 70 Euro zahlen.

"Wir wünschen uns aber, dass auch Gesetzliche Krankenkassen die Kosten für einen Check-up übernehmen", meint Wein. Man sei mit Krankenkassen im Gespräch, Ergebnisse gebe es aber nicht.

Erster Anlaufpunkt im Gesundheitszentrum ist für den Patienten ein Portalarzt, ein "medizinischer Allrounder", der, – wenn nötig – Kontakt mit Fachärzten an den Partnerkliniken oder zu den Code-Bereichen Sport und Ernährung im Haus aufnimmt.

Dort erhält der Patient ein "individuell für ihn optimiertes, gesundheitsorientiertes Trainingsprogramm", erklärt Code-Gründer Hakimi. Für den Job des Portalarztes haben Hakimi und Wein explizit auch Hausärzte aus der Rhein-Main-Region im Blick, die ihren Patienten in den Räumen des Gesundheitszentrums eine Sprechstunde anbieten – und von weiteren Patienten des Code-Zentrums profitieren könnten.

Anreiz könne auch die moderne Ausstattung sein – Code ist Referenzzentrum der Firma Siemens und kooperiert zudem mit dem Unternehmen Olympus.

Arzt-Kontakt per Internet

Einen weiteren Vorteil ermögliche auch die webbasierte, digitale Patientenakte: "Der Patient muss nicht immer in die Sprechstunde kommen, über eine Videokonferenz kann er von jedem beliebigen Ort Kontakt mit seinen Ärzten aufnehmen", betont Wein.

Man wolle mit dem Gesundheitszentrum Ärzte in der Rhein-Main-Region untereinander vernetzen und das Gebiet als internationalen Medizinstandort etablieren, fasst der Code-Gründer die Intention des Projekts zusammen.

Welche Investoren hinter Code tatsächlich stecken, bleibt unklar. Vier Millionen Euro Investitionsvermögen stammten "aus privater Hand", erfährt man auf Anfrage. Eine enge Kooperation bestehe zudem mit der Westerwald Bank.

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