Ärzte Zeitung, 19.01.2017
 

Patentabläufe 2017

MSD leidet am meisten

Auch 2017 gehen wieder etliche große Pharmaprodukte aus dem Patentschutz. Gegenüber 2016 hält sich die individuelle Betroffenheit aber in Grenzen.

ADDISON. Patentabläufe und infolgedessen abrupte Umsatzeinbrüche sind fester Bestandteil des Geschäftsmodells forschender Pharmafirmen. Besonders stark wird davon dieses Jahr Merck & Co. betroffen sein.

Der in Europa unter dem Namen MSD bekannte US-Hersteller hat gleich für vier umsatzstarke Produkte den Verlust der Marktexklusivität zu gewärtigen. Das geht aus einer Auswertung des US-amerikanischen Marktforschers Dickson Data hervor.

Demnach verlieren mit Cubicin® (Daptomycin) und dem Lipidsenker Vytorin® (Ezetimib + Simvastatin) gleich zwei Blockbuster den Patentschutz. Beide Produkte brachten zuletzt Jahresumsätze von mehr als 1,1 Milliarden Dollar.

Hinzu kommen für Merck weitere kleinere Patentverluste, so dass laut Dickson mittelfristig rund 3,4 Milliarden Dollar Umsatz von generischem Wettbewerb bedroht ist. Das seien auf der Zahlenbasis von 2015 nahezu zehn Prozent der jährlichen Konzerneinnahmen.

Umsatzstärkstes Produkt

Das umsatzstärkste Produkt in der Liste der Patentausläufe 2017 ist den Angaben zufolge das als Monatsdepot formulierte Octreotid von Novartis (Sandostatin® LAR®) mit Jahreserlösen von zuletzt rund 1,6 Milliarden Dollar. Teuer kann das laufende Geschäftsjahr auch für Bristol-Myers Squibb und Eli Lilly werden.

BMS büßt die Exklusivität seines HIV-Medikaments Reyataz® (Atazanavir ) ein, das zuletzt 1,14 Milliarden Dollar in die Konzernkassen spülte. Lilly verliert mit dem alleinigen Recht auf den ADHS-Wirkstoff Atomoxetin (Strattera®) potenziell rund 700 Millionen Dollar Jahresumsatz.

Hinsichtlich geballter Betroffenheit einzelner Anbieter fällt 2017 damit aber noch vergleichsweise glimpflich aus. 2016 hatte – und hat seitdem – AstraZeneca laut Marktforscher Dickson ganz andere Größenordnungen zu stemmen: Allein mit Crestor® (Rosuvastatin) sah der schwedisch-britische Konzern auf einen Schlag 6,4 Milliarden Dollar Jahresumsatz bedroht.

Hinzu kam dann noch das Aus für die Retardformulierung des Schizophreniemittels Quetiapin (Seroquel XR®), die für eine weitere Umsatzmilliarde stand. (cw)

90% des Umsatzes können chemische Arzneimittelwirkstoffe nach

Patentablauf innerhalb weniger Wochen an die Generikakonkurrenz verlieren – insbesondere, wenn es sich um Produkte handelt, die in nachfragestarken Marktsegmenten angesiedelt sind.

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