Ärzte Zeitung online, 14.02.2018

Krebs

Was Bayer in der Onko-Pipeline hat

Bayer arbeitet an einigen vielversprechenden neuen Wirkstoffen gegen Krebs, darunter auch zwei völlig neuartige Kinasehemmer.

BERLIN. Krebs zählt seit Jahren schon zu den Investitions-Schwerpunkten der forschenden Pharmaindustrie. Das gilt auch für die Bayer AG. Derzeit warten die Leverkusener mit vier zugelassenen Krebstherapeutika in acht Indikationen auf – und eine robuste Pipeline lässt auf mehr hoffen, so Robert LaCaze, Leiter des Geschäftsbereichs Onkologie.

Ziel sei es, die Therapie noch effektiver, individueller und verträglicher zu gestalten. Beim Pharmaceutical Media Day in Berlin gab LaCaze Einblicke in die neuen Strategien.

Um mit erstklassigen Innovationen gegen Krebs aufwarten zu können, setzt Bayer auf vier Prinzipien.

» Onkogenes Signaling: Mit niedermolekularen Wirkstoffen wird therapeutisch in krebsspezifische Zellprozesse eingegriffen.

» Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Mithilfe spezifischer Antikörper werden Zytotoxine gezielt an Krebszellen gekoppelt, wo sie ihr Werk verrichten.

» Radioaktive Konjugate: Alphastrahlung emittierendes Thorium-227 etwa wird mittels Chelat an einen spezifischen Antikörper gebunden und dockt danach nur an Tumorzellen an. Die geringe Reichweite und Halbwertszeit der Strahlung macht den begrenzten Einsatz möglich.

» Immunonkologische Therapien: Hier sollen neue Optionen speziell für Patienten entwickelt werden, die auf die bisherigen immunonkologische Strategien nicht ansprechen

In onkogene Signalwege eingreifende Wirkstoffe sind etwa Copanlisib, Darolutamid sowie Larotrectinib und LOXO-195.

Erste TRK-Inhibitoren

Am weitesten in der Entwicklung ist Copanlisib, der erste intravenöse Phosphatidylinositol-3-Kinase-Hemmer, der in den USA gegen Rezidive eines follikulären Lymphoms bereits zugelassen ist. Die Zulassung basiert auf der Phase-II-Studie CHRONOS-1 mit einer Gesamtansprechrate von 59 Prozent. Weitere Indikationen würden derzeit geprüft.

Darolutamid, ein neuartiger Androgenrezeptor-Antagonist, befindet sich aktuell in der klinischen Phase III gegen metastasiertes hormonsensitives sowie gegen nicht metastasiertes kastrationsresistentes Hochrisiko-Prostatakarzinom.

 Larotrectinib und LOXO-195 werden in Kooperation mit dem US-Unternehmen Loxo Oncology entwickelt. Bayer wird weltweit exklusiv für die Vermarktung außerhalb der USA zuständig sein. Beides sind hoch selektive Substanzen gegen Tumoren, bei denen es zu einer Tropomyosin-Rezeptorkinase-Genfusion gekommen ist.

Das kann bei häufig vorkommenden Krebsarten geschehen (in rund 0,5 bis einem Prozent der Fälle), betrifft aber auch vor allem viele seltene Malignome. LOXO-195 ist als Anschlusstherapie bei Resistenzen gegen Larotrectinib gedacht.

Allianz mit US-Institut

Das Therapieregime habe das Potenzial für eine Langzeitstrategie gegen Krebs, der auf dieser Genmutation beruht, berichtete Bayer-Bereichsleiter LaCaze. Wirksamkeit habe Larotrectinib in Phase-I- und Phase-II-Untersuchungen mit insgesamt 55 Patienten bei 12 verschiedenen Tumorarten gezeigt.

Es sei die erste neue, zielgerichtete Therapie, die gleichzeitig für Erwachsene und Kinder mit TRK-getriggerten Krebsarten entwickelt wird.

Die Ansprechrate lag den Angaben zufolge bei 75 Prozent, und zwar unabhängig vom Alter, Neurotrophic Tyrosinrezeptorkinase-Gen oder vom Fusionpartner-Gen. 79 Prozent der Patienten seien 12 Monate nach Beginn des Ansprechens noch in Remission, heißt es. Nach jetzigem Plan soll Larotrectinib schon bald zur Zulassung eingereicht werden.

Um die Forschung auf dem Gebiet der Genveränderungen als Krebsursache weiter voranzutreiben, berichtete LaCaze, habe Bayer kürzlich mit dem Broad Institute der MIT und Harvard University in Cambridge, USA, eine zunächst auf fünf Jahre angelegte strategische Allianz im Bereich Oncogenomics vereinbart. (slp)

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