Ärzte Zeitung online, 11.07.2018

Unternehmen

Monsanto beschert Bayer Sammelklage

Ist Glyphosat krebserregend? Ein US-Richter lässt eine Sammelklage gegen Monsanto zu.

SAN FRANCISCO. Kaum hat Bayer die Übernahme des Saatgutriesen Monsanto offiziell abgeschlossen, sieht sich der Konzern in den USA mit zahlreichen Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des Totalherbizids Glyphosat (Roundup®) konfrontiert. Glyphosat ist einer der Verkaufsschlager Monsantos.

Wie die Non-Profit-Organisation U. S. Right to Know berichtet, sind allein am Bezirksgericht San Francisco über 450 Klagen anhängig, die nun zu einer Sammelklage zusammengefasst und zugelassen wurden.

Zunächst werde zu klären sein, so der zuständige Richter Vince Chhabria, ob eine Jury zu dem Schluss gelangen könnte, dass Glyphosat in den Mengen, denen Anwender üblicherweise ausgesetzt seien, ein Non-Hodgkin Lymphom verursachen könnte. Laute die Antwort "Ja", lasse sich die Klage weiterverhandeln. Anderenfalls würden sämtliche Fälle eingestellt.

Die Beweislage sei zwar vermutlich zu zweideutig, um den klaren Schluss zuzulassen, dass Glyphosat Lymphdrüsenkrebs verursache, heißt es in der Begründung des Richters. Doch hätten ausreichend viele Experten Einschätzungen zugunsten der Klägerseite vorgetragen, dass ein Gerichtsprozess angemessen sei. Laut U. S. Right to Know sind landesweit tausende ähnliche Klagen gegen Monsanto eingereicht worden, "schätzungsweise rund 4000 Fälle".

Der erste Prozess in dieser Sache hat Mitte Juni vor dem Kammergericht San Francisco begonnen. Kläger ist der 46-jährige Familienvater Dewayne Johnson, der jahrelang als Platzwart bei einer Schule tätig war. Er leidet an Lymphdrüsenkrebs im Endstadium und wirft Monsanto vor, die Risiken seines Unkrautvernichters verschwiegen zu haben.

Monsanto weist die Vorwürfe zurück. Bayer erklärte auf Anfrage, solange die Auflagen des US-Justiziminsteriums zur Monsanto-Integration nicht erfüllt seien – gemeint ist die Abgabe diverser Agrar-Geschäfte Bayers an die BASF –, dürfe man sich zu den Verfahren nicht äußern. (cw/dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Bekommen Kinder O-Beine durch Sport?

Zu O-Beinen neigen offenbar viele Kinder, die bestimmte Sportarten betreiben. Dabei wirkt die einseitige Druckbelastung im Knie als Wachstumsbremse, vermuten Forscher. mehr »

Neue Leitlinie zum Kopfschmerz durch Schmerzmittel-Übergebrauch

Schmerzmittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und chronifizieren - wenn man sie zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert einnimmt. Eine neue Leitlinie zeigt auf, wie Ärzte solchen Patienten helfen können. mehr »

Nicht nur zu viel LDL-C ist schädlich

Atherosklerose entsteht offenbar nicht nur, wenn zu viel LDL-Cholesterin im Blut zirkuliert. Der Aufbau der Partikel scheint ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen – und hier lässt sich therapeutisch eingreifen, wie Wissenschaftler zeigen. mehr »