Ärzte Zeitung online, 22.12.2009

Arzt tötet sich selbst wegen 660 000 Euro Regressforderung

HARBURG /LÜNEBURG (cben). Betroffenheit in Niedersachsen: Der Psychiater H.-J. Q., substituierender Arzt am Gesundheitsamt Harburg, hat sich am 15. Dezember offenbar wegen hoher Regressforderungen das Leben genommen.

Arzt tötet sich selbst wegen 660 000 Euro Regressforderung

Wegen hoher Regessforderungen hat sich ein Arzt das Leben genommen.

Foto: © BilderBox / Montage: sth

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der 61-jährige frühere Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes beim Landkreis Harburg am Abend des 15. Dezember tot in seiner Winsener Wohnung aufgefunden worden. Q. hinterlässt Frau und zwei Kinder. Sein Tod steht offenbar im Zusammenhang mit Honorar-Regressforderungen in Höhe von 660 000 Euro.

Die KV Niedersachsen (KVN) hatte 2007 im Zuge einer Befragung (wir berichteten) bei 104 substituierenden Ärzten im Land Unregelmäßigkeiten entdeckt. Auch Q. war darunter. Er habe ohne Teilnahme am vorgeschriebenen Curriculum die Substitutionsleistungen erbracht und abgerechnet. Deshalb sollte er mehr als 660 000 Euro und damit alles Geld, was er je für Substitutionsleitungen abgerechnet hat, an die KVN zurückzahlen.

Mitte 2007 hatte die Staatsanwaltschaft Lüneburg nach Anzeige der KVN Ermittlungen eingeleitet und unter anderem wegen Unregelmäßigkeiten bei der Dokumentation und Kontrolle 2008 Anklage gegen den Psychiater erhoben. Q. war während dieser Zeit beurlaubt. Seit 2008 wurde aber das Hauptverfahren nicht eröffnet.

Die Ehefrau und Kollegen von der "Gemeinschaft substituierenden Ärzte Niedersachsen" machten die KV Niedersachsen und Medizinischen Dienst des Landes (MDKN) für Q.s Tod verantwortlich. Laut Staatsanwaltschaft werde im Strafverfahren selbstverständlich nicht weiter ermittelt. Die Zivilrechtssache um die Rückforderung des Geldes ist aber längst noch nicht ausgestanden. Nun soll die Witwe die 660 000 Euro zurück zahlen.

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