Ärzte Zeitung, 09.03.2015

Klinik-Einweisung

KBV will neue Richtlinie verhindern

Kann die KBV den Bundesgesundheitsminister zum Veto gegen die neue Krankenhaus-Einweisungsrichtlinie bewegen?

BERLIN. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will die Novellierung der Krankenhauseinweisungs-Richtline verhindern: In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe appelliert sie, der Minister solle die Zustimmung zu dem Ende Januar vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) beschlossenen Papier verweigern.

Bei ihrer jüngsten Sitzung Ende Februar hatte die Vertreterversammlung mehrheitlich einen entsprechenden Antrag verabschiedet. Darin heißt es, die Neufassung der Richtlinie beinhalte "das Risiko, dass Vertragsärzte sich im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsprüfungen für Krankenhauseinweisungen rechtfertigen müssen" (wir berichteten).

Der GBA-Text sieht vor, dass Vertragsärzte vor jeder stationären Einweisung alle ambulanten Behandlungsalternativen in Erwägung ziehen sollen. Das sei den Niedergelassenen aber nicht möglich; von vielen der angesprochenen ambulanten Alternativen hätten "nur die Krankenkassen Kenntnis", argumentiert KBV-Vorstand Regina Feldmann.

Sollte das BMG die Neufassung der Richtlinie durchwinken, dann müssten die Kassen wenigstens verpflichtet werden, die Vertragsärzte über das gesamte ambulante Behandlungsspektrum einer Region zu informieren, so die KBV gegenüber Gröhe.

In den Vorarbeiten zu der neuen Richtlinie hatte die KBV vorgeschlagen, die Ärzte sollten nur die ihnen bekannten ambulanten Alternativen berücksichtigen müssen. Das hätten die Vertreter von Krankenkassen und Kliniken aber abgelehnt. (cw)

[10.03.2015, 01:14:01]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Klare Kante" an den G-BA!
Endlich mal eine schnelle, sachgerechte und klare Ansage des Kollegen Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, der sich auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) anschließen konnte.

Wenn der ebenso Medizin-bildungsferne wie Versorgungs-fremde Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sich auf seine vom Gesetzgeber klar umrissene Kern- und Auftragskompetenz besinnen würde, müsste er zur Kenntnis nehmen, dass bei Anamnese, Untersuchung, weiterführender Diagnostik u n d ambulanten/stationären/palliativen Therapieverfahren a u s c h l i e ß l i c h GKV-Vertragsärzte das Sagen haben. Nur wir niedergelassenen Haus-, Fach- und Spezialärzte verfügen gemeinsamen mit Klinik-Ärztinnen und -Ärzten über die staatlich legitimierte Befähigung und Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde.

Heilpraktiker, Gesundbeter, Wunderheiler, Ökonomen, Soziologen, Politologen und alle IWMM's ("irgendwas mit Medien") sind in der Approbationsordnung für Ärzte einfach nicht vorgesehen. Vor einer Krankenhauseinweisung über s i n n v o l l e (?) ambulante Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und zu prüfen, ob diese als Alternativen zur stationären Behandlung in Frage kommen gehört zur klassischen, individualisierten Arzt-Patienten-Interaktion.

Bei Herz- und Hirninfarkt, Lungenembolie, akutem Abdomen, möglicherweise schon perforierter Appendizitis, eingeklemmter Hernie, akutem peripheren Arterienverschluss, Mesenterialinfarkt usw. usf. wären meine Patienten alle verstorben, wenn ich mich an die Ausführungs-Vorschriften und -Ideen eines vor Ort nicht erreichbaren G-BA und außerhalb der Sitzungszeiten gar nicht entscheidungsfähigen G-BA gehalten hätte.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Mauterndorf/A)
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