Ärzte Zeitung online, 08.02.2018

Förderung

Innovationen sind nicht nur eine Frage der Kostensenkung

An Fördergelder für Innovationen kommen einzelne Ärzte nur schlecht heran. Das muss sich ändern, fordert Gesundheitsökonom Ralph Tunder. Denn: Gute Ideen entstehen oft direkt in der Arztpraxis.

Von Julia Frisch

Innovationen sind nicht nur eine Frage der Kostensenkung

Professor Ralph Tunder erläuterte bei der Verleihung des Praxispreises unter anderem, wie innovative Praxen Förderung erhalten können. Georg Moritz

BERLIN. Wer keinen schlagkräftigen Partner, etwa eine Krankenkasse oder einen großen Berufsverband, an der Seite hat, hat als erfindungsreicher niedergelassener Arzt wenig Chancen, Fördergelder für die Entwicklung einer Innovation zu bekommen.

An Töpfen, aus denen geschöpft werden könnte, fehlt es zwar nicht. Doch meistens gehören die niedergelassenen Ärzte nicht zu der Zielgruppe, die mit dem Fördergeld beglückt werden soll. "Es fehlen Förderinstrumente für klein angelegte Projekte", konstatierte Professor Ralph Tunder von der EBS Universität Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel bei der Preisverleihung für den Erfolgs-Rezept Praxis-Preis von UCB Innere Medizin und Springer Medizin in Berlin.

Innovationsfonds nicht geeignet

Besonders der Innovationsfonds, der auf Bundesebene Geld ausschüttet, ist auf groß angelegte Forschungsprojekte ausgelegt und wird dementsprechend auch vorrangig von großen Forschungsgruppen genutzt. Und die Länderförderungsprogramme konzentrieren sich hauptsächlich auf Schlüsseltechnologien. Geld von Krankenkassen oder Kassenärztlichen Vereinigungen zu bekommen ist nach Angaben von Tunder für einzelne Praxen ebenfalls schwierig.

Die lückenhaften Förderinstrumente im Bereich der ambulanten Patientenversorgung müssten deshalb ergänzt werden. "Investitionsförderung muss als Investition begriffen werden und dauerhaft, unbürokratisch und wirtschaftlich funktionieren. Sie sollte außerdem unbedingt wettbewerblich organisiert sein", fordert Ralph Tunder.

Aufgabe für die Pharmaindustrie?

Als Lösung schlägt er deshalb zum einen die Schaffung eines gesonderten Fonds für Projekte aus dem Mittelstand vor. Auch die Pharmaindustrie, sagte Tunder, könne bei der finanziellen Förderung von Innovationen eine tragende Rolle übernehmen. So hätten dann auch Projekte, die nicht nur eine direkte Kostensenkungsabsicht zum Ziel haben, Aussicht auf Fördergelder.

Zum anderen hält Ralph Tunder die Einrichtung von Innovationsbudgets bei Krankenkassen für sinnvoll. Per festgelegtem Mindestausgabenwert pro Jahr und Versichertem könnten so neue Versorgungskonzepte unterstützt werden. Eine schnelle Umsetzung der Förderung wäre durch das feste Ausgabenziel gewährleistet. Das sei wichtig angesichts der kurzen Innovationszyklen in der digitalen Welt. Eine Beschränkung auf bestimmte Produkte oder Vertragspartner dürfe nicht erfolgen, um den Wettbewerb zwischen den Kassen weiter zu fördern. (juk)

Lesen Sie dazu auch:
Praxis-Preis: Drei Ärzte - drei innovative Versorgungsideen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die Zukunft gehört der sensorischen Zuckermessung

Die Zeiten, in denen sich Diabetiker zur Blutzuckermessung in den Finger stechen, sind bald vorbei. Sensor-Messsysteme bringen neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. mehr »

Mehr ASS für schwere Patienten?

Allen Patienten dieselbe ASS-Dosis zu verordnen, scheint in der kardiovaskulären Prävention keine optimale Lösung zu sein. Es könnte sich lohnen, die Dosis an das Körpergewicht anzupassen, um verschiedene Risiken zu minimieren. mehr »

Ärztefortbildung in der Kritik – Woran misst sich Neutralität?

Eine Landesärztekammer versagt einem Fortbildungsanbieter die Zertifizierung einer Veranstaltung – der wehrt sich dagegen. Eine neue Auflage im Dauerkonflikt um Sponsoring. mehr »
Geomarketing

Rückenschmerz-Potenzial
für Hausärzte

Unsere interaktive Karte im Juli stellt das Rückenschmerz-Potenzial für Hausärzte in den Regionen und Kreisen dar. Ein kostenloser Service der „Ärzte Zeitung“.

Aktuell vom Hauptstadtkongress

Extra: Seite für junge Ärzte
Leserfavoriten
Serien der Ärzte Zeitung
Neue Beiträge zu