Ärzte Zeitung online, 14.09.2018

Rheumapatienten

Preisgekrönte Hilfe zur Selbsthilfe

Die Rheumatologin Dr. Susanne Nolof vermittelt Patienten untereinander Partner. Dabei geht es nicht ums Liebesglück, sondern um den Therapieerfolg.

Von Dirk Schnack

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Arbeiten erfolgreich mit einem Patenschaftsmodell in Elmshorn: Rheumatologin Dr. Susanne Nolof (Mitte) mit ihren rheumatologischen Fachassistentinnen Brigitte Meseck (links) und Birgit Möller.

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ELMSHORN. Hilfe zur Selbsthilfe  unter diesem Motto steht die Unterstützung, die Dr. Susanne Nolof aus Elmshorn ihren Rheumapatienten bietet. Ihr Patenschaftsmodell bringt Patienten zusammen und führt zu gegenseitiger Hilfe. Für ihr Modell wurde die niedergelassene Internistin mit einem der beiden ersten Plätze beim Praxis-Preis 2017 von Springer Medizin/Ärzte Zeitung und UCB Innere Medizin ausgezeichnet.

"Man kann Dinge verändern": Diese Einstellung hat Dr. Susanne Nolof nicht nur in ihrem Berufsleben zu manch positiver Wendung verholfen. Nolof vermittelt diese Einstellung auch gegenüber ihren Rheumapatienten.

Viele von ihnen lassen sich von der Energie und dem Optimismus, den die Ärztin ausstrahlt, offensichtlich anstecken mehr als 50 ihrer Patienten haben sich inzwischen an ihrem Patenschaftsmodell beteiligt und über diesen Weg Kontakt zu anderen Patienten erhalten  und häufig die von ihr gewünschte Hilfe zur Selbsthilfe geleistet.

Adhärenter Patient gab den Anstoß

Angefangen hatte alles mit einem Rheumapatienten, der ihre Empfehlungen vorbildlich umgesetzt und damit eine Remission erreicht hatte. "Das war so ermutigend, dass ich mir gewünscht hätte, dieser Patient könnte seine Erfahrungen an andere weitergeben", erinnert sich Nolof. Damit war die Idee des Patenschaftsmodells geboren. Seitdem spricht sie Patienten, bei denen der Verlauf vergleichbar positiv ist, gezielt an und fragt nach ihrer Motivation für eine Patenschaft.

Bei positiver Resonanz kommt der Pate auf eine Liste, in der sich Nolof auch bestimmte Merkmale notiert  das erleichtert ihr die Suche nach einem passenden Partner unter den Patienten mit neuer Diagnose. "Ich schaue ganz gezielt, welcher Patient zu welchem Paten passen könnte", verrät sie.

Wichtig sind die Patenschaften nach Nolofs Erfahrungen, weil die Diagnose viele Patienten zunächst schwer belastet und zugleich zahlreiche Informationen zu verarbeiten sind. Nolof beobachtet bei vielen Patienten in dieser Phase eine "emotionale Berg- und Talfahrt".

Da sie als Ärztin nicht die Zeit findet, die Patienten hierbei auch noch außerhalb der üblichen Sprechstunde zu unterstützen, ist sie froh über jeden Paten, der neuen Patienten mit seinen Erfahrungen zur Seite steht.

Praxis-EDV unterstützt Matching

Nolof und ihre beiden rheumatologischen Fachassistentinnen Birgit Möller und Brigitte Meseck schauen genau, dass die Krankheitsbilder und die Charaktere der zusammengeführten Patienten zueinander passen. Dabei hilft, dass in der Praxis-EDV Patienten nach rheumatologischen Krankheitsbildern geordnet sind. Hat sie passende Partner gefunden, muss sie meist nicht mehr viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Paten reagieren überwiegend positiv, wenn Nolof sie bittet: "Schauen Sie mal zurück. Wäre es nicht gut, wenn jemand anders, der heute in der gleichen Situation wie Sie vor wenigen Monaten ist, von Ihren Erfahrungen profitieren könnte?"

Die meisten Patienten sind zwar dankbar für das Angebot der Paten, aber nicht jeder geht darauf ein. "Manche brauchen nach der Diagnose zunächst Abstand und können sich noch nicht mit anderen, für sie ja fremden Menschen darüber austauschen  das ist dann absolut in Ordnung", sagt Nolof. Kommt ein Kontakt zustande, schauen Pate und Partner, ob die Chemie stimmt und entscheiden dann selbst, wie weit Austausch und Unterstützung gehen sollen.

Mit dem Modell ist es Nolof inzwischen gelungen, dass auch sehr gezielte Informationen ausgetauscht werden. So hat sie etwa Paten in ihrer Liste, die über ihre Erfahrungen mit der Radonstollentherapie berichten oder die eine Infrarot-Kabine besitzen. Ergebnis dieser Zusammenführungen ist oft eine bessere Compliance und eine höhere Lebensqualität für die Betroffenen.

Nolof sieht damit aber auch die Praxis entlastet  die Paten leisten schließlich viel Informationsarbeit, die in der Praxis nicht mehr erfolgen muss. Rheumapatienten dürften nicht die einzigen sein, die von solch einem Modell profitieren. Nolof kann sich zumindest vorstellen, dass auch Ärzte anderer Fachrichtungen vielen Patienten mit einem solchen Modell helfen können.

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