Ärzte Zeitung online, 24.10.2017
 

Digital Health

Nutzennachweis für Gesundheits-Apps fällt schwer

Gesundheitsapps eignen sich dazu, die Behandlung chronisch kranker Menschen zu unterstützen oder den Infektionsschutz in Kliniken zu verbessern. Aber: Ihr Nutzen wird zu häufig unterschätzt oder bleibt unklar, kritisieren Experten.

Von Julia Frisch

Nutzennachweis für Gesundheits-Apps fällt schwer

Vom Gesundheitssystem stiefmütterlich behandelt? Viele Ärzte und Patienten nutzen heute bereits mobile Health Anwendungen.

© vectorfusionart / stock.adobe.com

BERLIN. Gesundheits-Apps und andere digitale Helfer werden "unfair" behandelt. Diese Ansicht vertritt Urs-Vito Albrecht, der sich an der Technischen Hochschule Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover mit medizinischer Informatik, speziell dem Bereich mobile Health, beschäftigt.

"Es ist leicht, über die Risiken zu klagen, aber Evidenz zum Nutzen gibt es nur wenig. Das kostet nämlich viel Aufwand, Zeit und Geld", sagte Albrecht vor Kurzem auf einem Mittagssymposion des Bode Science Centers in Berlin.

Die Politik reagiere auf die Gefahren von E-Health damit, dass sie reguliere, und "hackt die Technologie kurz und klein. Über den Nutzen erfahren wir nichts", kritisierte Albrecht. Es sei deshalb nötig, dass hochwertige und vertrauenswürdige Apps erkannt und herausgestellt werden. "Die Digitalisierung ist nun mal da, sie geht nicht weg wie ein Schnupfen", so der Privatdozent.

Plattform für Chroniker

Dass E-Health Patienten und Ärzten gleichermaßen einen Nutzen bringt, davon ist Professor Klemens Budde, Nephrologe und Leitender Oberarzt an der Charité, überzeugt. An der Uniklinik wird derzeit mit Unterstützung des Bundeswissenschaftsministeriums und verschiedener Firmen eine interaktive Plattform namens Medical Allround-Care Service Solutions (MACCS) eingerichtet, mit deren Hilfe ein langfristiger Therapieerfolg bei nierentransplantierten chronisch kranken Patienten sichergestellt werden soll.

Die Plattform, die ab dem kommenden Jahr bei den Patienten eingesetzt werden soll, dient zum einen als zentrale Sammelstelle für Untersuchungsergebnisse, Vitaldaten, Therapie- und Medikationspläne. Zum anderen soll sie die Kommunikation unter allen Beteiligten – Uniklinik, niedergelassenen Ärzten und Patienten - schneller und einfacher machen.

So werden Vitaldaten, die Patienten über eine Gesundheits-App eingeben, direkt an die Charité übermittelt und dort auf mögliche Auffälligkeiten hin ausgewertet. Die Patienten bekommen eine Rückmeldung, dies demnächst per Messenger, so Budde.

Auf digitale Anwendungsprogramme setzt das Bode Science Center, das wissenschaftliche Kompetenzzentrum für Hygiene und Infektionsschutz der Hartmann-Gruppe, um die Händehygiene- Compliance in Krankenhäusern zu verbessern. Neben E-Learning-Programmen hat das Center eine App auf den Markt gebracht, mit der in Kliniken das Händehygieneverhalten der Mitarbeiter beobachtet und ausgewertet werden kann.

Statistik per Knopfdruck

Brigitte Rüstau wendet dieses Tool als Hygienefachkraft seit einiger Zeit in der Klinik Medizin Campus Bodensee an und ist für die digitale Hilfe dankbar. Mit der App müssen die Daten nicht mehr per Hand in den Computer eingegeben werden, Statistiken funktionierten quasi per Knopfdruck. Das alles, so Rüstau, spare enorm viel Zeit und ermögliche es den Hygienefachkräften, mehr Beobachtungen als vorher vorzunehmen.

Das führe dazu, dass die Datenmenge repräsentativer und damit nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Geschäftsführung und Behörden aussagekräftiger und überzeugender werde.

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