Ärzte Zeitung online, 31.10.2011

Kampf um Privatversicherte soll sauber werden

Schluss mit Provisionsexzessen in der PKV: Dem Treiben mancher Makler, Versicherte zu immer neuen Abschlüssen zu bewegen, hat der Bundestag einen Riegel vorgeschoben. Hat die übertriebene Gier um Privatversicherte jetzt ein Ende?

Vermittlung in der PKV soll sauber werden

PKV-Verbandschef Leienbach: Übertreibungen vermeiden.

© dpa

KÖLN (iss). Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) sieht die vom Bundestag beschlossenen Neuregelungen für die Vermittlung von Vollversicherungen vorsichtig optimistisch.

Jetzt müsse man prüfen, ob sich die neuen Vorschriften auch in der Praxis bewähren, sagte PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach.

"Es geht darum, Übertreibungen zu vermeiden, ohne jedoch die persönliche Beratung und Betreuung der Versicherten durch die Vermittler zu beeinträchtigen."

Provisionen von bis zu 18 Monatsbeiträgen

Versicherer dürfen ab dem 1. April 2012 für die Vermittlung der PKV-Policen maximal neun Monatsbeiträge Provision zahlen.

Außerdem verlängert sich die Stornohaftung von heute maximal zwei auf fünf Jahre. Kündigt ein Kunde vor dieser Frist, muss der Vermittler einen Teil der Provision zurückzahlen.

Damit will die Politik Provisionsexzessen und provisionsgetriebenen Umdeckungen in der PKV ein Ende bereiten.

Mehr Provisionen durch häufige Wechsel

Im harten Wettbewerb um Vollversicherte haben Unternehmen an Großvertriebe bis zu 18 Monatsbeiträge Provision gezahlt.

Manche Vertreter versuchen, Kunden mehrmals zum Wechsel des Anbieters zu motivieren und mehrmals die Provision zu kassieren. Tragen muss diese Kosten der Kunde.

Der Eingriff in die bisherigen Provisionsregelungen im Markt sei in Abstimmung mit der Wirtschaft erfolgt, betonte der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Flosbach in der Bundestagsdebatte.

"Ich denke, das war einer der wichtigsten Schritte, um einen sauberen Markt für die Vermittlung von privaten Krankenversicherungen zu erreichen, und die Versicherungsbranche ist uns dankbar, dass wir in den Markt eingegriffen und diesen Missbrauch beseitigt haben."

[01.11.2011, 16:57:02]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
PKV-Großreinemachen!
Staub wischen allein genügt nicht, damit die PKV wieder sauber wird. Viele Ältere, nicht Beihilfe Berechtigte können nach jahrzehntelangen, stetigen Steigerungen die Versicherungsprämien für ihre private Krankenversicherung nicht mehr zahlen. Das Internet ist voll mit irreführenden und unseriösen Lockvogelangeboten. Die Abschlussprovisionen der Versicherungsmakler müssen staatlich reglementiert werden. Donatoren sind bei Lebendorganspenden im krassen Gegensatz zur GKV n i c h t adäquat durch die PKV des Organempfängers abgesichert. Bei REHA und Hilfsmittelversorgung werden Privatversicherte schikaniert und benachteiligt. GKV-spezifische Einschränkungen durch Arznei-Rabattverträge und Generikaquoten werden nachgeahmt. Behandelnde Ärzte werden mit unsinnigen Anfragen zugemüllt. Die Auflistung könnte noch erweitert werden.

Aber die PKV ist auch insgesamt ein unternehmerisches Auslaufmodell: Keineswegs geht das individuelle Gesundheits-, Krankheits- und Ausfallrisiko auf das unternehmerische Risiko der Versicherungsgesellschaft über. 'Vergessene' Altersrückstellungen, 'fehl kalkulierte' Sterbetafeln, demografisch nicht erfasste Krankheitsrisiken, medizinischer Fortschritt, Innovation und Anspruchshaltung werden in ihren Folgen gar nicht assekuriert. Die PKV präpariert ihre Bilanzen, marschiert zur Versicherungsabteilung der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und lässt sich Prämienanhebungen genehmigen. Die Branche ist eine Zunft kapitalgestützter Umlagekassen mit volatilen, nach oben offenen Prämien. Ihre Geschäftspolitik zielt nur noch auf die staatliche Genehmigung regelmäßiger Erhöhung der Versicherungsbeiträge ab.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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