Ärzte Zeitung, 15.04.2013
 

Lebensversicherung läuft aus

Wohin mit der ganzen Kohle?

Wenn die Auszahlung der Lebensversicherung ansteht, haben die meisten Versicherten eine ungefähre Ahnung, was sie mit dem Geld machen wollen. Die Wahl will aber gut überlegt sein.

Von Anne-Christin Gröger

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Für die Wiederanlage von Geld aus auslaufender Lebensversicherung gibt‘s mehrere Alternativen.

© Gina Sanders / fotolia.com

KÖLN. Geschätzt 40 Milliarden Euro zahlen Versicherer jährlich an ihre Kunden an auslaufenden Lebensversicherungen aus. Nur etwa zehn Prozent landen wieder bei den Unternehmen, schätzen Experten.

Die niedrigen Quoten dürften den Gesellschaften kaum gefallen. Sie wollen ihre Versicherten dazu bringen, einen möglichst großen Teil des ausgezahlten Geldes wieder bei ihnen anzulegen. Denn nur dann können sie an den Kapitalmärkten weiter damit arbeiten und Geld verdienen.

Deswegen haben die meisten Versicherer inzwischen ein professionelles Management installiert, mit dem sie Kunden auslaufender Policen die Wiederanlage schmackhaft machen wollen.

Viele schicken bereits ein Jahr vor Ablauf erste Informationsunterlagen. Rückt der Termin dann näher, meldet sich der Vermittler beim Kunden und bietet persönliche Beratung an.

Ärzte sollten auf die Vertriebsoffensive ihres Versicherers nicht überstürzt reagieren und gleich einen neuen Vertrag unterschreiben. Als erster Schritt kann es sinnvoll sein, das Geld kurzfristig auf einem sogenannten Parkkonto zwischenzulagern, das viele Gesellschaften zu meist günstigeren Bedingungen als die Bank anbieten.

Joachim Geiberger, Geschäftsführender Gesellschafter des Analysehauses Morgen und Morgen, rät Sparern dazu, den ausgezahlten Geldbetrag in drei Teile aufzuteilen. Einer könnte für den kurzfristigen Konsum wie eine Weltreise oder ein neues Auto ausgegeben werden.

Teils nur magere Sofortrenten

Den zweiten Teil könnten Ärzte für mittelfristige Ausgaben zurückhalten wie die Unterstützung der Enkel, den dritten für eine spätere Aufbesserung der eigenen Rente.

"Die Prozentsätze können aber auch anders aussehen, je nach den Wünschen des Versicherten", sagt er. "Es ist ein utopischer Glaube der Versicherer, den Kunden dazu bewegen zu können, 100 Prozent des angesparten Geldes sofort wieder anzulegen", so Geiberger

Besonders beliebt bei Sparern sind derzeit Sofortrenten gegen Einmalbeitrag und klassische Rentenversicherungen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Kunden um die 60 Jahre verstärkt Wert auf die sichere Anlage ihres Geldes legen.

Bei einer Sofortrente erhält der Anleger eine monatlich garantierte Rente, die durch eine fällige Überschussbeteiligung mehr oder weniger stark aufgebessert wird. Für Kunden, denen die Sicherheit ihres Geldes wichtig ist, sind diese Verträge eine gute Wahl, glaubt Udo Rössler, Sprecher bei der Allianz.

"Nur eine Rentenversicherung kann garantieren, dass dem Kunden das Geld im Ruhestand nicht ausgeht, unabhängig davon, wie alt er wird", sagt er. Ärzte sollten aber nicht enttäuscht sein, wenn sie auf die monatlichen Beträge sehen, die ihnen bei so einer Anlage in der Rente zustehen.

Wer 100.000 Euro in eine Rentenversicherung gibt, bekommt monatlich nur rund 400 Euro ausgezahlt, bei einer Soforteinzahlung von 60.000 Euro sind es rund 200 Euro. Der Grund für die kläglichen Beträge: Die Versicherer kalkulieren die steigende Lebenserwartung der Menschen in ihre Tarife ein.

Angebote einholen und vergleichen

"Dadurch, dass die Menschen heute viel älter werden als noch vor 20 oder 30 Jahren, kommt auch bei hohen Einzahlungen in eine Sofortrente mit Einmalzahlung nur eine vergleichsweise geringe Rente heraus", so Geiberger von Morgen und Morgen.

Wer sich nicht mit diesen garantierten Renten begnügen möchte, kann sich für einen Auszahlplan mit einer bestimmten Laufzeit entscheiden. Den bieten Banken oder Investmentgesellschaften an.

Die eingezahlten Beträge werden während der Laufzeit weiter verzinst. "Allerdings ist nicht garantiert, dass das Geld bis zum Lebensende tatsächlich reicht".

Unter älteren Kunden werden Verträge, die sich um die Versorgung im Pflegefall drehen, immer beliebter, hat Rössler von der Allianz beobachtet. "Immer mehr Menschen werden im Alter pflegebedürftig und wollen selbst vorsorgen", sagt er.

Verbraucherschützer raten Inhabern auslaufender Lebensversicherungen, nicht das erstbeste angebotene Produkt zu kaufen, sondern verschiedene Angebote zu vergleichen. Nach Ansicht von Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg stehen Kunden immer noch vor dem Dilemma, keine wirkliche Alternative zur provisionsbasierten Beratung zu haben.

"Jeder Vermittler berät im Auftrag und Interesse eines Versicherers, einer Bank oder einer anderen Anlagegesellschaft. Es gibt keine wirklich ergebnisoffene Beratung, nicht einmal bei Honorarberatern, weil hier der Markt noch völlig unreguliert ist."

Dem Kunden bleibt nur die Möglichkeit, Angebote zu vergleichen und von vielen Meinungen letztendlich einer zu vertrauen - völlige Sicherheit fehlt, betont Nauhauser.

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