Ärzte Zeitung, 09.04.2014

Der Kommentar zu Hebammen

Der Markt wird es nicht richten!

Von Ilse Schlingensiepen

Bei der Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen stoßen rein marktwirtschaftliche Regelungen offensichtlich an ihre Grenzen. Niemand kann von den freiberuflich tätigen Hebammen verlangen, dass sie einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens in ständig steigende Versicherungsprämien stecken.

Die Versicherer kann niemand zwingen, auf Dauer tief defizitäres Geschäft zu zeichnen. Verdienen könnten die Unternehmen in diesem Sektor nur, wenn sie Prämien nähmen, die keine Hebamme mehr bezahlen kann.

Zwar kann es sein, dass zunächst eine kurzfristige Lösung gefunden wird. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wird nicht müde zu betonen, dass er den Hebammen helfen will. Vielleicht gelingt es der Politik, jetzt mit mehr oder minder starkem Druck einzelne Versicherer oder die ganze Branche ins Boot zu holen.

Ein langfristig tragfähiges Konzept wird sich so aber voraussichtlich nicht finden lassen. Denn die Grundprobleme bleiben bestehen. Deshalb sind alternative Modelle gefragt, etwa eine Haftungsobergrenze, bis zu der sich die Hebammen selbst versichern müssen.

Schäden, die darüber hinausgehen, würde ein Fonds tragen, der mit Steuergeldern bestückt werden könnte. Sicher sind auch andere Lösungen vorstellbar. Eines wird aber auf keinen Fall funktionieren: das Warten darauf, dass der Markt es schon richten wird.

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