Ärzte Zeitung, 18.01.2017
 

Nordrhein

Ärzteversorger ächzt unter dem Niedrigzinsjoch

Die Nordrheinische Ärzteversorgung setzt auch 2017 die Dynamisierung der Renten aus.

DÜSSELDORF. Die dauerhafte Niedrigzinsphase hinterlässt bei der Nordrheinischen Ärzteversorgung (NÄV) Spuren. Das Versorgungswerk hat den Rechnungszins für den Zeitraum 2016 bis 2030 von 4,0 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt. Gleichzeitig müssen die Mitglieder 2017 ein weiteres Mal auf eine Dynamisierung der Renten und der Anwartschaften verzichten. "Wir werden 2017 nutzen, um die Rücklagen zu stärken", erläutert NÄV-Geschäftsführerin Petra Preuschoff.

Das sei angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage notwendig. Mit den Rücklagen schafft das Versorgungswerk einen Sicherheitspuffer zur Abfederung der Kapitalmarktrisiken.

Die mit den Kapitalanlagen der NÄV erzielte Rendite müsse über dem Rechnungszins liegen, betont sie. "Das ist bei 4,0 Prozent nicht möglich." Mit Kapitalanlagen von 11,5 Milliarden Euro hat das Versorgungswerk 2015 eine Nettorendite von 3,7 Prozent erzielt. Auch ein solches Ergebnis war nur möglich, weil Versorgungswerke bei ihren Anlagen stärker ins Risiko gehen können, als es etwa Lebensversicherern möglich ist.

Neuzugang etwas geringer als 2014

Die NÄV sei verstärkt an Investitionen in Immobilien und Infrastrukturprojekte interessiert, berichtet Preuschoff. Da dies auch für andere institutionelle Anleger gilt, ist die Konkurrenz in diesem Segment aber groß. "Wir nehmen nur Top-Investments, da wird nicht sehr viel angeboten."

Die NÄV hatte Ende 2015 insgesamt 52.252 Mitglieder, das waren 2,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 1586 Ärzte kamen neu zur NÄV, Überleitungen aus anderen Versorgungswerken nicht mitgerechnet. Der Neuzugang fiel damit etwas geringer aus als 2014 und deutlich geringer als 2013. Die Geschäftsführerin sieht hier aber keinen besorgniserregenden Trend. "In den Vorjahren war der Neuzugang außergewöhnlich hoch, jetzt pendeln wir uns wieder auf Normalwerte ein."

Mehr als die Hälfte (55,1 Prozent) der Mitglieder waren angestellte Ärzte. Der Anteil der niedergelassenen Ärzte ging von 24,2 Prozent im Jahr 2014 auf 23,1 Prozent zurück. Die 2015 von ihnen gezahlte durchschnittliche Versorgungsabgabe erhöhte sich von 15.301 Euro auf 15.867 Euro. Bei angestellten Ärzten betrug sie 11.494 Euro, nach 11.375 Euro.

Bei Altersversorgung kaum Alternativen auf dem Kapitalmarkt

Die NÄV nahm an laufenden Versorgungsabgaben 556 Millionen Euro ein, nach 538 Millionen Euro. Die Ärzte nutzen in der Niedrigzinsphase vermehrt die Versorgungswerke, um etwas für ihre Altersversorgung zu tun, sagt Preuschoff. "Die Zunahme bei den Versorgungsabgaben spiegelt das Vertrauen in die Versorgungswerke wider, aber auch das Fehlen von Alternativen auf dem Kapitalmarkt."

Die laufenden Versorgungsleistungen der NÄV erhöhten sich um 4,1 Prozent auf 500 Millionen Euro. 793 NÄV-Mitglieder haben 2015 ihre Rente beantragt. Bei 49 Prozent handelte es sich um die Regel-Altersrente, bei 12 Prozent um eine aufgeschobene. Der Anteil der vorgezogenen Altersrenten betrug 35 Prozent. Damit setzte sich der rückläufige Trend in diesem Bereich fort. 2011 wollten noch mehr als 50 Prozent der Antragsteller vorzeitig in Rente gehen. "Die längere Lebensarbeitszeit schlägt sich auch bei den Ärztinnen und Ärzten nieder", erläutert Preuschoff. Weniger Ärzte seien bereit, die Abschläge durch die vorgezogene Rente in Kauf zu nehmen.

Die Zahl der Rentenempfänger erhöhte sich 2015 in Nordrhein um 3,1 Prozent auf 17 628. Die durchschnittliche Regelaltersrente betrug 2850 Euro im Monat. Ein Jahr zuvor waren es 2862 Euro. 1529 Ärztinnen und Ärzte erhielten eine Rente von 4000 Euro oder mehr, das entsprach einem Anteil von 12 Prozent. Bei 1149 oder 9 Prozent blieben die monatlichen Zahlungen unter 1000 Euro. (iss)

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