Ärzte Zeitung online, 25.08.2017

Private Krankenversicherung

Licht am Ende des Tunnels

Der jüngste PKV-Spiegel Map-Report belegt, dass die Branche von allgemeinen Trends wie Niedrigzinsumfeld oder Mitgliederschwund nicht einheitlich schwer betroffen ist. Einige trotzen schwerem Wetter besser als andere.

Von Herbert Fromme

Licht am Ende des Tunnels

Trendwende bei Privaten Krankenversicherungen.

© Pixelot / Fotolia

KÖLN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) haben in Sachen Mitgliederschwund das Schlimmste überstanden. Das glauben die Experten des Branchendienstes Map-Report. In den Jahren 2012 bis 2016 verlor die Branche insgesamt 183.600 Vollversicherte, allein 47.200 im Jahr 2015. "Da ist der Verlust von 14.600 Versicherten in 2016 schon beinahe ein positiver Trend", schreibt Reinhard Klages, Chefredakteur des Reports, in der jüngsten "Bilanzanalyse private Krankenversicherung", die Daten aus 2007 bis 2016 auswertet.

Allerdings: Die Entwicklung fällt nicht einheitlich aus. Bei den privaten Versicherern trennt sich die Spreu vom Weizen. Alle stehen unter Druck durch die Niedrigzinsen, aber einige Gesellschaften können damit deutlich besser umgehen als andere und erzielen vergleichsweise ordentliche Renditen. Andere leiden heftiger und müssen entsprechend deutlicher die Preise anheben.

12 Anbieter gewinnen Kunden

Das wirkt sich auch auf die Mitgliederentwicklung aus. Nur zwölf der 33 Anbieter mit Vollversicherung, die der Map-Report untersucht hat, konnten die Bestände ausbauen. Die anderen schrumpften. Das liegt einerseits an den hohen Abgängen aus der PKV durch Tod oder Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung, anderseits an dem schon seit fünf Jahren schwächelnden Neugeschäft. Genaue Neugeschäftszahlen nennen die wenigsten Versicherer, eine rühmliche Ausnahme ist Marktführer Debeka, der im vergangenen Jahr 80.008 neue Kunden begrüßen konnte.

Rechnet man Abgänge und Neugeschäft gegeneinander, verbleibt ein Bestandswachstum von 32.960 Kunden bei der Debeka. Sie liegt damit an der Spitze, gefolgt von der Hanse Merkur mit 7441 und der HUK-Coburg mit 4568 Versicherten. Auch Signal und Axa schafften per Saldo einen vierstelligen Bestandszuwachs mit 3660 beziehungsweise 2904 Neukunden. Größter Verlierer war wie in den Vorjahren die zur Ergo gehörende DKV mit -18.899 Vollversicherten. Ebenfalls tiefrot waren die Bestandszahlen bei der Central mit -11.351 und der Allianz mit -9620. "Die Bestandsverluste waren dabei jedoch deutlich geringer als noch im Vorjahr", relativiert der Map-Report.

Bei den Verwaltungskosten melden die PKV-Gesellschaften für 2016 Gesamtausgaben von 860 Millionen Euro. Das waren 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Da die Beiträge aber mit plus 1,3 Prozent stärker gestiegen sind, sinkt die Kostenquote leicht von 2,33 Prozent der Beitragseinnahmen auf 2,31 Prozent.

Hinter dem Durchschnitt verbergen sich sehr unterschiedliche Entwicklungen. Am sparsamsten wirtschaftet die HUK-Coburg mit 0,93 Prozent Kostenquote, gefolgt von der Landeskrankenhilfe mit 1,49 Prozent und der Debeka mit 1,50 Prozent. Am schlechtesten steht die Mecklenburgische mit satten 3,73 Prozent Verwaltungskosten da, gefolgt von der Nürnberger mit 3,37 Prozent und der Württembergischen mit 3,34 Prozent.

Vertriebskosten legen zu

Durchwachsen zeigt sich die Branche auch hinsichtlich der Abschlusskosten, also vor allem bei Provisionen an Makler und Vertreter. Obwohl das Neugeschäft schlecht läuft, geben die Gesellschaften mehr für den Vertrieb aus. 2016 waren es 6,52 Prozent der Beiträge, im Vorjahr 6,42 Prozent. Das belegt, wie heftig manche Firmen um Neugeschäft kämpfen – und dabei auch die Provisionsangebote für Vermittler als Waffe einsetzen, obwohl die Provisionshöhe gesetzlich beschränkt ist. Die Hanse Merkur kam 2016 auf sagenhafte 11,93 Prozent Abschlusskostenquote, die Mecklenburgische auf 11,73 Prozent und die Concordia auf 11,16 Prozent. Am anderen Ende des Spektrums stehen die Landeskrankenhilfe mit 1,33 Prozent, die Freie Arzt- und Medizinkasse mit 1,51 Prozent und die HUK-Coburg mit 3,70 Prozent. Die Differenz kann nur zum Teil damit erklärt werden, dass die Gesellschaften mit den größeren Vertriebsausgaben einen Gang höher geschaltet haben.

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