Ärzte Zeitung online, 04.10.2017
 

PKV

Pflegegutachter bekommen gute Noten

Wie wirkt sich die Pflegereform auf die Qualität der Begutachtungen bei den Privatversicherten aus? Antwort gibt eine neue Studie des medizinischen Dienstes der PKV.

Von Ilse Schlingensiepen

Pflegegutachter bekommen gute Noten

Bei der Erklärung des Begutachtungsablaufs gibt es nach Ansicht der privat versicherten Pflegebedürftigen Optimierungspotenzial.

© Syda Productions / Fotolia

KÖLN. Die aufwändige Vorbereitung auf die Pflegereform mit den neuen Pflegegraden hat die Qualität der Begutachtungen bei den Privatversicherten nicht beeinträchtigt. Das zeigt eine Befragung im Auftrag von Medicproof, dem medizinischen Dienst der privaten Krankenversicherer.

Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum hatten bundesweit 4000 pflegebedürftige Versicherte befragt, die an einer Begutachtung teilgenommen hatten. Fast die Hälfte hatte einen ausgefüllten Fragebogen zurückgeschickt. Auf einer Notenskala von eins bis sechs bewerteten die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen die Arbeit der ärztlichen und pflegerischen Gutachter im Schnitt mit einer 1,8. Das entspricht dem Ergebnis der Befragung 2015.

Dabei hatte es für die rund 1100 Gutachter im vergangenen Jahr eine Reihe von zusätzlichen Belastungen gegeben. Mit Blick auf die Pflegereform und die Einführung eines neuen Begutachtungsinstruments mussten sie sich mit einer neuen Software vertraut machen und an Schulungen teilnehmen. "Das ist aber offensichtlich nicht zu Lasten der Versicherten gegangen", freut sich Medicproof-Geschäftsführerin Dr. Franziska Kuhlmann.

Richtig spannend wird die nächste Befragung, erwartet sie. Denn dann wird sich zeigen, ob die Pflegebedürftigen mit dem neuen Begutachtungsverfahren so zufrieden sind wie mit dem alten. "Das werden wir uns genau ansehen." Besonders zufrieden waren die Versicherten 2016 wie bereits 2015 mit der Terminvereinbarung und der Person der Gutachter, die jeweils mit 1,5 bewertet wurden. Die Gutachter wurden überwiegend als freundlich, kompetent und einfühlsam empfunden. Im Urteil der Pflegebedürftigen schnitten Ärzte und Pflegefachkräfte dabei gleich gut ab.

Die Befragung zeigt aus Sicht der Pflegebedürftigen und der Angehörigen weiterhin Verbesserungsbedarf bei der Erklärung des Begutachtungsverlaufs. Viele wünschen sich auch eine bessere Beratung durch Medicproof. Die Beratung rund um die Pflege ist allerdings nicht Aufgabe von Medicproof, sondern des Schwesterunternehmens Compass.

Medicproof hat im vergangenen Jahr 179.860 Begutachtungsaufträge von den privaten Krankenversicherern erhalten, das waren sechs Prozent mehr als 2015. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit betrug 8,5 Arbeitstage. Zum Jahreswechsel ist die Zahl der Ärzte und Pflegekräfte, die freiberuflich als Gutachter für Medicproof tätig sind, leicht zurückgegangen – nicht alle wollten die Umstellung auf das neue System mitmachen. Die aktiven haben allerdings ihr Arbeitsvolumen ausgeweitet, berichtet Kuhlmann. "Uns steht jetzt eine höhere Kapazität zur Verfügung." Im Schnitt wollen die Gutachter 2017 pro Monat 20 Aufträge erledigen, im vergangenen Jahr waren es 17.

1,8

auf einer Schulnotenskala erzielten ärztliche und pflegerische Gutachter bei einer Befragung im Auftrag von Medicproof und hielten damit das Niveau einer Befragung aus dem Jahr 2015.

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